Die Waffenbörse in Luzern ist immer noch Aufrüstungsort für Rechtsextreme.
Hans Biland, Verwaltungsratspräsident und Direktor der Zentralschweizer Fachmessen AG und damit Organisator der Luzerner Waffenbörse (heute offiziell «Antik-Waffensammlerbörse»), mimte im Messeprogramm wieder einmal den Ehrenmann. Nicht gestattet sei, so die abgedruckten «speziellen Auflagen», unter anderem das Ausstellen und der Verkauf von «Kampf- und Tarnanzeugen», weiter auch «von Gegenständen der ehemaligen deutschen Wehrmacht, insbesondere Embleme, Bücher und Zeitschriften, Uniformen und Teile dazu».
Hat Biland also auf die Kritik an der Waffenbörse reagiert? "Luzern heute" hatte im vergangenen Jahr berichtet, dass an vier Ständen nazistische Literatur und Devotionalien angeboten worden sei, obwohl Biland sich gegenüber der Stadt, Inhaberin der Festhalle, verpflichtet hatte, solches Material nicht zuzulassen. Stadtrat Werner Schnieper (SP) versprach damals gegenüber "luzern heute" : «Die Stadt wird reagieren». Anfang September 1998 war Messe-Veranstalter Hans Biland einer Ausladung durch die Stadt zuvorgekommen und war in die private und kleinere Luga-Halle ausgewichen.
"Mein Kampf"
Freitagmorgen, 9. April, in der Luga-Halle. Unangenehm eng ist es zwischen den Verkaufsständen. An mehreren Ständen hängen Tarnanzüge zum Verkauf. Zwei Aussteller, die im vergangenen Jahr nationalsozialistische Devotionalien und/oder Literatur angeboten hatten, sind diesmal nicht anwesend. Doch Bernhard Stucki aus Moutier offeriert - wie im vergangenen Jahr - viele nazistische Embleme, insbesondere Wehrmachts-Orden, die Hakenkreuze abgedeckt durch kleine rote Punkte. Im Hintergrund liegt auch eine Ausgabe von Hitlers «Mein Kampf».
Am danebenliegenden Stand von Pro Technica, Antiquariat, Hedingen ZH, betrieben von Anita Baumann, finden sich in einer seitlich angebrachten Kiste verschiedenste orginale Nazi-Bücher aus den 20er- und 30er-Jahre. So unter anderem Ernst Röhms «Die Geschichte eines Hochverräters», weiter auch Ingeborg Wessels Buch über ihren Bruder Horst, einem einst aufwendig gefeierten Nazi. Der Zürcher Stand hat noch mehr zu bieten. Bei einem zweiten Augenschein am Sonntagnachmittag kramt der Standbetreuer für mehrere Skins/Rechtsextreme Orginalausgaben der nazistischen Propagandazeitschrift «Signal» hervor.
Gegen neue Verfassung
Nichts Neues also an der Waffenbörse: Der Veranstalter sorgt sich nicht um die Einhaltung der Auflagen. Die Waffenbörse ermöglicht weiterhin - wenn auch im kleineren Umfang als in den vergangenen Jahren - Rechtsextremen ideologische Aufrüstung. Im Patronatskomitee dieser «leicht zugänglichen Gerümpelkammer des nazistischen Gruselns» (Beat Bieri in einer luzern heute-Kolumne) sitzt immer noch FDP-Nationalrat Karl Tschuppert.
An der Luzerner Waffenbörse agierten die Anbieter auch fleissig gegen die neue Bundesverfassung, gegen die seit kurzem eine heftige und oft lügnerische Kampagne von Rechtsaussen und Rechtsextremen betrieben wird. Mehrere Waffenhändler bieten an ihren Ständen einschlägige Flugblätter an. Die Luzerner Waffenhandlung Zimmermann heftet an ihre Preisliste das Flugblatt des Komitees der Fremdenfeinde Ulrich Schlüer (SVP), Hans Steffen (SD) und Walter Steinemann (FPS). Am Stand der «Vereinigung Pro Tell, Gesellschaft für freiheitliches Waffenrecht», liegt fast ausschliesslich Progandamaterial gegen die neue Bundesverfassung auf: Zwei Sondernummer der VPM-Zeitschrift «Zeit-Fragen» und ein selbstproduziertes Flugblatt.