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Die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz Auns, hervorgegangen aus dem Abstimmungskomitee gegen den Uno-Beitritt 1985, feierte am vergangenen Wochenende Geburtstag, auf der Freilichtbühne der Tellspiele Interlaken.

Zwar trafen sich über zweitausend Frauen und Männer, sogar ein ganzer SVP-Bundesrat war dabei und begann seine Ansprache wieder einmal mit «Liebi Manne ond Froue». Aber das ist schon das Ende der positiven Nachrichten. Nicht einmal die SchauspielerInnen der Tellspiele mochten den versammelten Herrschaften, die sich als die einzig wahren VerteidigerInnen der Sonderfallschweiz verstehen, den «Rütlischwur» noch vorspielen.

Die Auns ist heute ein Verliererverein, einst angeführt von einem grobschlächtig politisierenden Milliardär, nun angeführt von Pirmin Schwander, einem Unternehmensberater/Unternehmer, der in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird, obwohl er im Nationalrat sitzt. Sie wurde einst gegründet zur «allgemeinen Überwachung der schweizerischen Aussenpolitik unter dem Gesichtspunkt der Neutralität, der Unabhängigkeit und der Sicherheit des Landes» und meinte damit die Weiterführung der traditionellen Schweizer Aussenpolitik: kein Beitritt zu internationalen politischen Institutionen. Ein politischer Grundsatz, den die Eliten in Wirtschaft und Politik Ende der achtziger Jahre politisch erfolgreich verabschiedeten: Nach einigen Erfolgen - insbesondere dem EWR-Nein (1992) und dem Blauhelm-Nein (1994) - folgte Auns-Niederlage um -Niederlage. Die Auns blieb zwar weiterhin referendumsfähig, doch am Ende auf der Verliererseite. In den vergangenen Jahren hat die isolationistische Rechte alle wichtigen Volksabstimmungen verloren: Die Schweiz ist beispielsweise der Uno beigetreten, die Ausdehnung des freien Personenverkehrs ist durchgekommen, die Schweiz ist Schengen/Dublin beigetreten. (Was immer man von diesem Projekt halten mag.) Die Meinungsumfragen sagen auch für die «Ostmilliarde» eine Zustimmung voraus. Weitere Abstimmungen zu aussenpolitischen Fragen sind in den kommenden Jahren eher nicht zu erwarten.

Die Auns weist zwar noch ein Vermögen von über 750 000 Franken aus (Ende 2005). Tendenz steigend. Doch sie hat Probleme, noch aussenpolitische Themen zu finden. Entsprechend vage war denn am Wochenende auch die Ankündigung von Präsident Schwander, der Vorstand arbeite an einer «Volksinitiative zum Ausbau der Volksrechte und gegen die schleichende Übernahme von fremdem Recht bei internationalen Abkommen». Eine zündende Idee ist das nicht. Stachel im Rücken der SVP will die Auns bleiben: Nachdem die SVP nun zwei Bundesräte habe, müsse diese «darum vermehrt Kompromisse eingehen». SVP-Rechtsaussen wie Auns-Geschäftsführer Hans Fehr zählen darauf, dass ihnen ein zweites politisches Standbein erhalten bleibt.