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Rechtsextremistisches Gedankengut gewinnt auch in den Subkulturen der Satanisten, der Darkmetal- und der Darkwave/ Gothic-Szene an Bedeutung. Ein kleiner Streifzug.

Samstag, 21. Juli 2001. Im Dörfchen La Sarraz, zwischen Lausanne und Yverdon gelegen, treffen sich im Schloss rund 300 bis 400 Männer und Frauen, meist dunkel gekleidet. Viele KonzertbesucherInnen, vor allem jene aus Deutschland, tragen Kleider, die faschistische oder nazistische Vorbilder imitieren. Es sei - so die Einschätzung eines deutschen Szenebeobachters - das grösste Treffen der europäischen rechten Darkwave/Gothic-Szene gewesen. Das bevorzugte Instrument der vier auftretenden Gruppen war die Marschtrommel. Die ials "Überraschung" auftretende Gruppee "Blutharsch" (und nicht die - in der WochenZeitung fälschlicherweise genannte - talienische Band Camerata Mediolanense) bediente sich sowohl faschistischer Texte als auch faschistischer Ästhetik. Zwei der Musiker trugen Anzüge, die an Faschistenuniformen erinnerten. Häufiger Einsatz von Trockeneis. Projektion von unscharfen Filmen mit Szenen aus den dreissiger und vierziger Jahren, mit Aufmärschen und Kriegsszenen, dazu eine Weihnachtsansprache von Maréchal Philippe Pétain, dem Präsidenten von Frankreichs pronazistischer Vichy-Regierung während des Zweiten Weltkriegs. Auch die deutsche Gruppe Forleti erntet Wohlgefallen mit harmonischem Gedudel und unpolitischen Texten, die wohl an die deutsche Romantik erinnern sollen. Die beiden Büchertische, einer französisch-, der andere deutschsprachig, zeigen, woher politisch der Wind weht. Angeboten werden verschiedene Bücher von und über den faschistischen Autoren Julius Evola, ein Buch über Hans Blücher und die Wandervogelbewegung, ein übersetztes Buch von Sigrid Hunke, der einstigen Präsidentin der Deutschen Unitarier Gemeinschaft (DUR), einer «völkisch, nationalistisch und rassistisch motivierten Gemeinschaft», wie das «Handbuch Deutscher Rechtsextremismus» konstatiert. Weiter Bücher von Alain de Benoist, Jean Mabire und Pierre Vial - bekannten rechtsextremistischen Ideologen in Frankreich -, Otto Rahn («La Cour de Luzifer») und Ernst Jünger («Le Travailleur»). Insgesamt ein Angebot an der Schnittstelle zwischen rassistischer neuer Rechten und Rechtsextremismus. Selbst dem Veranstalter Yann Courtiau, einem Berner, war es nach dem Konzert nicht mehr ganz geheuer, in einem Mail an Mitbeteiligte schrieb er: «Wenn die Gruppen in ihrer Kunst zweideutig sind, dann bleibt das Kunst, wenn sich aber das Publikum gleich kleidet, so verliert die Kunst ihre Funktion zu Gunsten der Propaganda.» Wie wahr. Aber auch Courtiaus eigenes Heft «La Confession d'un Masque» bewegt sich jenseits der beschworenen Zweideutigkeit. Die Nummer 1 beschäftigt sich mit Darkwave-Gruppen, die zum rechten Lager zählen (vor allem Allerseelen alias Kadmon), und schildert Courtiaus Ausflüge zu deutschnationalen Pilgerstätten wie dem Völkerschlacht-Denkmal in Leipzig und dem Kyffhäuser-Denkmal.

Die meisten Mitglieder dieser Szene behaupten, sie seien keine Rechtsextremisten, doch behauptet sich rechtsextremistisches Denken und Handeln hartnäckig, ebenso Auftritte mit eindeutigen politischen Botschaften. Daran erinnerte letzthin eine Reportage von Tele 24 über eine schwarze Messe von Schweizer Satanisten. Mindestens zwei junge Männer in dunklen Bomberjacken mit aufgenähtem Schweizerkreuz folgten Markus Wehrli aus Rothenburg bei Luzern, der unter dem Namen Satorius auf der Ruine Nünegg bei Lieli im Kanton Luzern eine schwarze Messe zelebrierte. Satorius leitet den «Schwartzen Orden von Luzifer». Ein Blick auf die Homepage zeigt die Ambivalenz. Neben Anton Szandor LaVey, dem Gründer der «Church of Satan», ist Karl Maria Wiligut alias Weisthor, eine graue Eminenz des Nazi-Okkultismus, Satorius' Ideengeber. Wiligut war längere Zeit Himmlers Berater und Mitglied der Waffen-SS im Range eines Obersturmbannführers. Aber dass sich, so Wehrli alias Satorius in einem Interview mit der «Neuen Luzerner Zeitung», «der Nationalsozialismus in Teilen zufällig mit unserer Ideologie überschneidet, ist nicht unser Problem». Positive Aufnahme findet Wehrli auch in der NS-Darkmetal-Szene. (NS steht hier für Nationalsozialismus.) Wehrlis früheres Musikprojekt Helvete zählt neben Eisenwinter, Tarihan, Wald (nun Diviko) und Forst zu jenen Gruppen, die «innerhalb der Szene ideologisch oder organisatorisch» arbeiten. So schreibt das Blättchen «Der Eidgenosse», von dem seit November 1998 drei Nummern erschienen sind. Das Titelblatt der ersten Nummer verweist auf eine historische Kontinuität, der Titelkopf stammt von der gleichnamigen Zeitung des einstigen Bundes Nationalsozialistischer Eidgenossen von 1933. Der Herausgeber des «Eidgenossen» wohnt im baselländischen Ettingen und betreibt das Musikprojekt Eisenwinter. In einem Interview mit der deutschen Darkmetal-Zeitschrift «Der Ruf nach Freiheit» behauptet er, es gebe in Deutschland und der Schweiz «Inländerfeindlichkeit». Er spricht von «einigen krummnasigen Medienmogulen» und davon, dass «die Medien in allen Weststaaten ja eh von den gleichen Leuten kontrolliert werden». In Interviews reden freilich auch andere Gruppierungen rechtsextremistischen Klartext. Morgart aus dem luzernischen Littau beispielsweise: «Es ist ja schon schlimm genug, dass man die Armee zur Grenze schicken muss, um den illegalen Einwanderern Einhalt zu gebieten. Meiner Meinung nach sollte man sie dort gleich abschiessen dürfen. Dann hätten wir auch weniger Probleme.»