Der rechtskräftig verurteilte Holocaust-Leugner René-Louis Berclaz ist spurlos verschwunden - kurz bevor der Sekretär der Vereinigung "Vérité & Justice" (V&J) seine zehnmonatige Gefängnisstrafe hätte antreten sollen.
Er räumte seine Wohnung im freiburgischen Châtel-Saint-Denis, ohne eine Adresse zu hinterlassen. Berclaz ist damit der dritte Schweizer Holocaust-Leugner, der vor Strafantritt das Weite gesucht und auch gefunden hat: Jürgen Graf (15 Monate Gefängnis), einst V&J-Präsident, soll sich in Minsk/Weissrussland niedergelassen haben. Andres J. Studer (vier Monate Gefängnis), früher ein eifriger und agressiver Pamphletist, lässt sich inzwischen nur noch selten aus dem portugiesischen Städtchen Lagos vernehmen.
Bereits vor einigen Wochen hatte V&J bekanntgegeben, dass der Zusammenschluss der Schweizer Holocaust-Leugner nicht mehr über ein Postfach in Châtel-Saint-Denis, sondern neu über ein Postfach in Vevey erreichbar sei. Von den V&J-Vorstandsmitglieder ist damit nur noch Philippe Brennenstuhl, ebenfalls rechtskräftig wegen Holocaust-Leugnung verurteilt, über eine Schweizer Adresse erreichbar, nämlich im waadtländischen Vallorbe, unmittelbar an der französischen Grenze.
Ende Oktober 2003 ist zudem Arthur Vogt, der 86jährige Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Zeitgeschichte (AEZ), gestorben. In einem Nachruf bezeichnet ihn Jürgen Graf als "ersten Schweizer Revisionisten", der auch ihn "zum Vollblutrevisionisten" habe werden lassen. Die Schweizer Holocaust-Leugner verlieren damit einen vermögenden Mitkämpfer. Vogt habe, so schreibt Graf, auch ihm "wiederholt grosszügige finanzielle Hilfe erwiesen".