Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik kämpft gegen Muslime und für ein "jüdisch-christliches Europa". Er ist der erste Rechtsextremist, der sich nicht antisemitisch äussert und den Staat Israel verteidigt. Als Mörder handelte er allein, als Muslimfeind hat er viele Gesinnungskameraden.
Im Prozess gegen den Überzeugungstäter Anders Behring Breivik hat der Angeklagte in der ersten Verhandlungswoche sein rechtsextremes Weltbild bestätigt. Allerdings musste er auch eingestehen, dass es für die Kontakte zu weiteren "Kreuzrittern" keinen Beweis gibt. Das überrascht wenig, Breivik steht für eine neue Form rechtsextremen Denkens. Er verteidigt explizit das "jüdisch-christliche Europa", ebenso den Staat Israel. Er fordert die "Unterstützung Israels im Kampf gegen den Jihad".
Als Massenmörder agierte Breivik allein, als Muslimfeind hat er viele Gesinnungskameraden. Sie sind kapitalismusfreundlich und betont Israelfreundlich, so wie der deutsche Blog www.politicallyincorrect.com, der seine Grundüberzeugungen im Untertitel anzeigt: "Proamerikanisch. Proisraelisch. Gegen die Islamisierung Europas. Für Grundgesetz und Menschenrechte". Wie weit die Islamophoben die Grundgesetze auch für Muslime gelten lassen wollen, kann hier offen bleiben. Fakt aber ist: Der Blog www.politicallyincorrect.com verbreitet regelmässig Beiträge, in denen Kritik an Israel - vor allem wenn sie von Linken und Grünen geäussert wird - als "antisemitisch" bezeichnet wird.
Gefahr der Islamisierung Europas
Die Exponenten dieser muslimfeindlichen Tendenzen berufen sich auf die Autorin Bat Ye'or, die seit Mitte der achtziger Jahre dem Westen Schwäche vorwirft, einerseits wegen mangelnder Unterstützung Israels, andererseits wegen Verharmlosung der Gefahr der "Islamisierung Europas". Sie hat dafür den Begriff "Eurabia" geschaffen. Sie meint damit, dass sich Europa dem Islam ausgeliefert habe. Auch Breivik schreibt: "Bat Ye'or ist die führende Gelehrte auf dem Gebiet der Ausbreitung des Islams." Die Autorin, geboren 1933 in Ägypten als Gisela Littmann und Tochter einer jüdischen Familie, musste 1956 ihr Geburtsland verlassen. Seit ihrer Hochzeit 1960 lebt sie - zusammen mit ihrem aus England stammenden Mann - in der Westschweiz.
Jerusalemer Erklärung
Die ideologische Verbindung von Muslimfeindschaft und Israelunterstützung fand bereits politischen Ausdruck. Fast unbeachtet von den Schweizer Medien reisten im Herbst 2010 Vertreter verschiedener muslimfeindlicher Parteien aus Deutschland, Österreich, Belgien und Schweden nach Israel, eingeladen von rechtsstehenden Politikern und Vertreter der Siedlerbewegung. Sie verabschiedeten eine "Jerusalemer Erklärung". Diese sieht "die Menschheit gegenwärtig einer neuen weltweiten totalitären Bedrohung ausgesetzt: dem fundamentalistischen Islam". Die Erklärung zielt aber nicht nur auf fundamentalistische Strömungen, sondern gegen den Islam. Sie lehnt "jenen kulturellen Relativismus ab, der unter dem Vorwand der Achtung fremder Kulturen und Traditionen toleriert, dass Menschen, insbesondere nicht-islamische Minderheiten, in Teilen des muslimischen Kulturkreises in ihrem Recht auf Freiheit, Gleichheit und Mitbestimmung eingeschränkt werden." Sie verbindet diese muslimfeindliche Haltung mit der bedingungslosen Unterstützung des Staates Israel: "Ohne jede Einschränkung bekennen wir uns zum Existenzrecht des Staates Israel innerhalb sicherer und völkerrechtlich anerkannter Grenzen. Ebenso ist das Recht Israels auf Selbstverteidigung gegenüber allen Aggressionen, insbesondere gegenüber islamischem Terror, zu akzeptieren."
Die Verabschiedung dieser Erklärung stiess bei den meisten europäischen Rechtsextremisten, insbesondere jedoch bei Neonazis, auf heftige Ablehnung. Sie beharrten aus antisemitischen Motiven auf der Ablehnung des Staates Israel aus. Auch die österreichische Partei FPÖ, dessen Vorsitzender Heinz-Christian Strache auch in Israel war, musste eine Einschränkung nachschieben. Kein Wunder, noch kurze Zeit vorher hatte er mit antisemitischen Anspielungen österreichische Politik betrieben.