Mariette Paschoud will sich noch stärker für Holocaust-Leugner ins Zeug legen.
Die Waadtländerin Mariette Paschoud will auf ihre alten Tage noch radikaler werden. In der Dezember-Nummer der Zeitschrift "Le pamphlet", die sie seit bald vierzig Jahren zusammen mit ihrem Ehemann Claude herausgibt, verkündet sie, sie sei nun pensioniert und laufe daher nicht mehr Gefahr, die Stelle zu verlieren. Sie wolle nun regelmässig Informationen zum "Revisionismus" verbreiten. Was nichts anderes heisst, als dass sie sich für Holocaust-Leugner engagieren will. Dies beweisen die drei letzten Heftnummern. Ernst Zündel, der im vergangenen Jahr in Mannheim/Deutschland wegen Volksverletzung zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, bezeichnet sie gleich in zwei Ausgaben als ehrenhaften Mann. Auch zitiert sie aus einem Brief Zündels, in dem dieser "von gemeinsamen Freunden und Bekannten" schreibt. Sie beklagt weiter, dass die AUNS vor Jahren Holocaust-Leugner ausgeschossen habe. Sie stütze sich auf Informationen, so Paschoud, die vom "Service d'information du révisionnisme mondial" verbreitet würden.
Was es auch immer mit diesem bis anhin unbekannten Mediendienst auf sich hat, Paschoud knüpft an ihre politische Vergangenheit an. Die Mittelschullehrerin trat 1986 in Paris an einer Pressekonferenz des Holocaust-Leugners Henri Roques auf und äusserte bereits damals "Zweifel an der Existenz der Vergasungskammern in Konzentrationslagern". Sie wäre 1991 von Bundesrat Kaspar Villiger (FDP) beinahe dennoch zum Major des Militärischen Frauendienstes befördert worden, nur heftiger publizistischer und politischer Protest verhinderte den Karrieresprung. Ein von Paschoud angestrengter Ehrverletzungsprozess gegen einen Redaktor des "Bieler Tagblattes", der sie "braune Mariette" genannt hatte, führte zu einem fatalen Eigentor für die Holocaust-Leugner. Das Bundesgericht hielt nämlich in einem Grundsatzurteil fest, dass der Holocaust offenkundig sei: "Die Forderung nach einem einzigen Beweis für die Existenz von Gaskammern ist indessen angesichts des vorhandenen Beweismaterials derart absurd, dass sich, auch wenn andere Motive theoretisch immer denkbar sind, der Schluss auf eine Sympathie zum nationalsozialistischen Regime in einem Masse aufdrängt, welches für das Gelingen des Wahrheitsbeweises ausreicht, zumal der Schluss aus äusseren Umständen (Handlungen, Äusserungen) auf innere Tatsachen (Absichten, Motive) naturgemäss kein naturwissenschaftlich exakter sein kann."