Der «Aufruf an alle aufrechten Willisauer» war ein Aufruf zur Diskriminierung aufgrund der Herkunft.
Unterzeichnet ist das Blatt mit «Nationaler Widerstand Hinterland": «Es nützt nichts nur am Stammtisch über die Überfremdung zu fluchen, jetzt sind Taten angesagt." Wer aber ist der «Nationale Widerstand Hinterland»? Da war ja schon einmal ein Flugblatt gleichen Ursprungs, dies nachdem junge Linke im Mai 2003 in Willisau gegen Rechtsextremismus demonstriert hatten. Tenor des Flugblattes: «Bisher wurden nur die grösseren Städte von dem linken Pöbel heimgesucht.» Im übrigen sei die Kundgebung «scheinheilig» gewesen und verantwortlich seien zwei namentlich genannte Hinterländer Jugendliche. Auch hier ein Aufruf zur Tat: «Willisauer wehrt euch, damit unsere Gemeinde und unser Amt nicht zum Tummelfeld für Linke Chaoten wird!" (Orthografie gemäss Orginal).
Nationaler Widerstand, was ist das überhaupt? Der Begriff «Nationaler Widerstand» wird von deutschen und auch Schweizer Rechtsextremisten einerseits als Bezeichnung für lokale oder regionale Organisationen verwendet, so war - um nur ein Beispiel zu nennen - im vergangenen Sommer für einige Zeit im Internet der «Nationale Widerstand Aegerital» präsent. Häufiger gebraucht wird der Begriff jedoch als Sammelbezeichnung für die gesamte rechtsextremistische Szene, beispielsweise wenn diskriminerungs- und gewaltbereite «Patrioten» («Die Schweiz den Schweizern») zusammen mit neonazistischen Hammerskinheads an Kundgebungen skandieren: "Hier marschiert der Nationale Widerstand».
Wer ist nun aber der «Nationale Widerstand Hinterland»? Hat er allenfalls etwas zu tun, mit den beiden Naziskin-Konzerten, die in den vergangenen Jahren in Ettsiwil stattfanden? Klar ist, bis anhin sind keine Exponenten öffentlich bekannt. Wie dem auch sei, wie soll die Oeffentlichkeit - die Medien, die Behörden, die Engagierten der Zivilgesellschaft - reagieren? Bringt nicht jede Erwähnung in Medien den Rechtsextremisten gesteigerten Zulauf und die Aufmerksamkeit, die sie suchen?
Nein, das Gegenteil ist wahr. Rechtsextremisten wie auch andere Diskriminierungswillige lieben die Oeffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser. Zwei Beispiele. Im Sommer 2000 ist im St. Galler Rheintal eine Skinhead-Organisation aktiv, sie nennt sich «Rheinfront», unterhält ein Clublokal und kann vor allem auch männliche Jugendliche ab 14 Jahren ansprechen. Vorerst bleibt alles unter der Decke, auch Eingeweihten der Jugendarbeit sind die Aktivitäten unbekannt, bis im Sommer 2000 eine Journalistin des «Sarganserländers» über die Aktivitäten berichtet und auch den genauen Ort des Clublokals und den Namen des Hauptverantwortlichen, eines Naziskinheads auf Meienfeld GR, publiziert. Die Veröffentlichung hatten Folgen: Viele jugendliche Skinhead-Sympathisanten - beindruckt von der Opposition, die ihren rechtsextemistischen und rassistischen Ideen entgegenschlagen - lösen sich aus der Gruppe, die damit auseinanderbricht. Später verliert die «Rheinfront» auch ihren Clubraum.
Ende Juni 2000 attackieren rechtsextremistische Naziskins aus der Region in Burgdorf während eines Jugendfestes missliebige Jugendliche. Daraufhin stellen einige engagierte Frauen und Männer aus Burgdorf die «Aktion Courage» auf die Beine. Sie organisierten Aufrufe und Podiumsdiskussionen und machen auf vielfältige Art deutlich, dass die rechtsextremistischen Jugendliche nicht auf klammheimliche Unterstützung in ihrem Hass gegen linke und ausländische Jugendliche zählen können. Die rechtsextemistische Szene der Region Burgdorf löst sich zwar nicht vollständig, doch verschwindet sie weitgehend aus der Oeffentlichkeit.
Fazit: Erst das öffentliche und auch veröffentlichte Wissen über lokale und/oder regionale rechtsextremistische Strukturen und Vorkommnisse stärkt jene Männer und Frauen, die Rechtsextremismus und Rassismus als unvereinbar mit einer demokratischen und menschenrechtsfreundlichen Gesellschaft erachten. Rechtsextremisten und andere Diskriminierungswillige halten dem gesellschaftlichen Druck in öffentlichen Diskussionen meist nicht stand.