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Der Präsident des Konzertveranstalters Soleil Noir, Lars Kophal, behauptet, seine Vereinigung sei «apolitisch» und ausschliesslich kulturell interessiert. Sie distanziere sich von jeder Ideologie, sei sie «vergangen, aktuell oder zukünftig».

Eine Behauptung, die sich leicht widerlegen lässt, nur schon wenn man die Selbstdarstellung auf der inzwischen gelöschten Homepage las: «Wir kotzen auf die wurzellose Modernität, den geistlosen Materialismus und den zerstörerischen Ultraliberalismus, die Arbeiterausbeutung durch das internationale Finanzkapital, die planetweite Globalisierungsvereinheitlichung, die grosse seichte Suppe des Multikulturalismus, die Amerikanisierung wie auch die Dritt-Weltisierung.» Das ist zwar keine tagespolitische, jedoch eine gesellschaftspolitische Einordnung. Soleil Noir lehnt sich damit an das Gedankengut der rassistisch inspirierten Nouvelle Droite an. Das pessimistische und europazentrierte Kulturverständnis wird politisch verstärkt durch lobende Erwähnungen des faschistischen Ideologen Julius Evola. Das allein belegt aber noch nicht, dass bei Soleil-Noir-Veranstaltungen rechtsextreme politische Inhalte verbreitet werden.

Eine unpolitische Haltung beansprucht auch die italienische Band Camerata Mediolanense für sich, die in Fribourg hätte auftreten sollen. In der Kritik steht die Band nicht wegen ihrer Musik, sondern wegen ihrer Auftritte bei rechtsextremen Veranstaltungen beziehungsweise wegen ihrer sympathisierenden Interviews in Neonaziblättern, beispielsweise im Blatt der inzwischen verbotenen deutschen Sektion von Blood and Honour. Nach 2002 lassen sich solche Auftritte und Interviews allerdings nicht mehr nachweisen (seit 2003 aktualisiert die Gruppe auch ihre Homepage nicht mehr). In der Schweiz ist die Camerata Mediolanense im Juli 2001 an einem grösseren Konzert im Waadtländer Schloss La Sarraz aufgetreten, wo an Büchertischen Schriften an der Schnittstelle zwischen rassistisch inspirierter Nouvelle Droite und Rechtsextremismus angeboten wurden. Selbst dem La-Sarraz-Veranstalter Yann Courtiau war es nach dem Konzert nicht mehr geheuer, in einem Mail an Mitbeteiligte schrieb er: «Wenn die Gruppen in ihrer Kunst zweideutig sind, dann bleibt das Kunst, wenn sich aber das Publikum uniform kleidet, so verliert die Kunst ihre Funktion zugunsten der Propaganda.» Er kritisierte damit jene vielen KonzertbesucherInnen, deren Kleidung faschistische oder nazistische Vorbilder imitierten. Er umschrieb aber auch das gesellschaftspolitische Spannungsfeld, in dem sich die rechte Minderheit der Gothic/Dark-Wave-Szene bewegt. Und zu dieser Minderheit in der Szene gehört auch Soleil Noir.

Dieser Teil der Szene nimmt ästhetisierend Symbole und Ausdrucksformen aus dem grossen Fundus rückwärtsgewandter Ideologien (Konservative Revolution, Italienischer Faschismus, Rumänische Eiserne Garde) auf und behauptet, durch die Ästhetisierung ironisiere sie die gesellschaftspolitische Botschaft. Dies tut auch die Camerata Mediolanense. Mit den ungehobelten Tiraden und der Knüppeltaktmusik der Naziskinszene allerdings hat dies alles nichts zu tun.