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Einst war er Posthalter, nun ist er pensioniert, aber immer noch ein Bewunderer der Waffen-SS: Vincenz Oertle. Sein Buch veröffentlicht der Verlag Druckerei Appenzeller Volksfreund, nun vertreibt es auch ein rechtsextremer Buchversand.

Seit kurzem wird das Buch "Ein Appenzeller in der Waffen-SS" auch dort angeboten, wo es am besten in Angebot passt, im rechtsextremen Buchversand "Neue Zeitwende". Herausgegeben hat das Werk jedoch der Verlag Druckerei Appenzeller Volksfreund, und dessen Verleger Markus Rusch lobte den Autoren Vincenz Oertle bei der Buchvernissage als Kenner der Militärgeschichte. In Tat und Wahrheit ist Oertle ein Bewunderer der Waffen-SS und Verharmloser des deutschen Nationalsozialismus'.

Oertle verbreitet, was Rechtsextreme gerne hören: Kaum jemals in der Geschichte sei "über einem Besiegten ein derartiges Gewitter an zu Dogmen erhobener Geschichtsfälschungen, Lügen und Verleumdungen niedergegangen wie über Deutschland, den Deutschen, dem deutschen Soldaten und damit auch über den ausländischen Freiwilligen". Welche "Geschichtsfälschungen" (Kriegsschuld? Holocaust?) er meint, führt Oertle zwar nicht weiter aus. Doch der Grundtenor ist offensichtlich: Es geht Oertle darum, die Befreiung Deutschland vom Naziregime zu diskreditieren.

Vincenz Oertle, gemäss Klappentext "ehemals Posthalter und Feldweibel der Panzertruppe", ist schon in den 1990er-Jahren als Mitglied der Militärhistorischen Arbeitsgemeinschaft MIHAG Schweiz aufgetreten. Diese Gemeinschaft verbreitete ihre Mitteilungen jeweils in "Der Freiwillige", der Zeitschrift von Ehemaligen der Waffen-SS. Auch in seinem neuesten Buch rühmt sich Oertle mehrfach seiner Freundschaft zu Ehemaligen von Hitlers Terrortruppe.

Oertles neuestes Buch bringt wenig Neues und erschöpft sich weitgehend in Zusammenfassung von Lebensläufen. Rund 800 Schweizer zogen im Zweiten Weltkrieg in die Waffen-SS, viele von ihnen sympathisierten mit Nazi-Deutschland, nur wenige hatten jedoch in den Fronten eine Funktion gehabt, wie Heinrich Hersche, der in Weissbad/Appenzell-Innerrhoden aufgewachsen war und 1935 im Kanton Bern auf der Liste der Nationalen Front für den Nationalrat kandidierte. Oertle rühmt die grossen Fähigkeiten des Majors der Kavallerie und des SS-Standartenführers, dessen "Pflichtbewusstsein" ihn dazu bewogen habe, "die Untergebenen vor der Vergeltung der Sieger" zu schützen. Und der noch in den letzten Kriegstagen einen Verdienstorden und eine Rangbeförderung erhalten habe. Man kann die Karriere Mettlers auch anders darstellen, der begabte Reiter lebte über seine Verhältnisse, wurde zwangspensioniert und aus sanitarischen Gründen aus der Schweizer Armee ausgeschlossen. Später zog der Fröntler ins politisch gelobte Land, nach Nazi-Deutschland. Bis zu seinem Tod blieb er Anhänger der Nazi-Ideologie.