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Die Romandie Hammerskins planen für den 19. September 1998 ein Konzert mit sieben Nazi-Rockbands im Grossraum Lausanne. Als Treffpunkt vorgesehen ist ein Parkplatz im Dörfchen Chalet-à-Gobet.

Gemäss einem Einladungsschreiben, das der SonntagsZeitung vorliegt, wollen sich die Skins nachmittags zwischen 16 und 17.30 Uhr treffen. Wie bei solchen Anlässen üblich, werden die Konzertbesucher dann zum Veranstaltungsort gelotst. Zur Zeit noch unbekannt ist, welchen Saal - wohl in der Grossregion Lausanne - die Veranstalter gemietet haben. Organisiert wird das Jan Stuart Memorial Concert von jenen Neuenburger Skins, die bereits Anfang März ein Konzert im neuenburgischen Val-de-Ruz organisiert hatten, zu dem rund 800 Gleichgesinnte aus mehreren Ländern Europas anmarschiert waren.

Zwar ist die Einladung, die der 24jährige Olivier Kunz und seine Kameraden in mehrere europäische Länder verschickt haben, mit der Überschrift Privatkonzert versehen. Die Szenebekanntheit der sieben angekündigten Nazi-Rockbands aus England, Schweden und den USA dürfte aber dafür sorgen, dass die Veranstaltung zu einem der grössten Nazi-Skintreffen Europas mit mehr als tausend Besuchern werden wird. Unter den angekündigten Gruppen finden sich mit Bound for Glory aus den USA und mit Razors Edge aus England zwei Bands, die zu den radikalsten der Nazi-Skinszene gehören.

Mehrere Tonträger von Bound for Glory erachtet auch die Schweizer Bundespolizei als rassistisch. In einem Lied beispielsweise wird den Schwarzen gedroht: "Die Welt von Euch zu befreien ist mein Plan." Anlass für das Jan Stuart Memorial Concert ist der fünfte Todestag des britischen Nazi-Rockstars Jan Stuart.

Die Konzerte dienten in der Vergangenheit zur Verbreitung rassistischer und nazistischer Propaganda. Unmissverständlich ist der Bericht in der neuesten Nummer der Mannheimer Skin-Zeitschrift "Der Feldzug", die über das Hammerskinhead-Konzert von Mitte Mai 1998 im waadtländischen L'Abergement berichtet: Im Saal "waren jede Menge Verkaufsstände, die das deutsche Herz höher schlagen liessen". Deutsch meint hier schlicht nationalsozialistisch. Der Bericht widerspricht damit dem örtlichen Gemeindepräsidenten, der nach einem Augenschein gegenüber der Tageszeitung "24 heures" behauptet hatte, er habe weder Flugblätter noch andere rassistische Dokumente entdecken können.