Angekündigt sind für übernächsten Samstag sechs einschlägig bekannte Bands - Staatsschützer wissen von nichts Bei den rechtsextremen Skinheads gilt die Schweiz inzwischen als «Paradies» für Konzerte.
Übernächsten Samstag soll an einem noch unbekannten Ort in der Schweiz wieder ein grosses Hammerskin-Treffen stattfinden. «Hammerfest» nennen die Hammerskins das Konzert, zu dem gegen tausend Besucher aus verschiedenen Ländern erwartet werden. Die Hammerskins verstehen sich als «Bruderschaft der weissen Rasse» und als Elite der Skinhead-Szene.
Die Einladung zum «Hammerfest» ist im Internet über eine deutsche Umleitungsadresse erreichbar und liegt auf der Homepage des Nationalkorps Limmattal. In der Ankündigung heisst es zwar bloss, das Treffen finde irgendwo in «Zentraleuropa» statt. Verschiedene Einträge in einschlägigen Gästebüchern sowie weitere Informationen, die der SonntagsZeitung vorliegen, weisen darauf hin, dass das Konzert in der Schweiz stattfindet. So ist als Eintrittsgebühr «35 chf» - also 35 Schweizerfranken - angegeben. Die Veranstalter wollen Interessierten erst ab kommendem Wochenende nähere Angaben bekannt geben.
Vor einigen Tagen haben die Hammerskins das Treffen als Gedenkveranstaltung für William L. Pierce deklariert, der diese Woche verstorben ist. Der US-Bürger Pierce war Führer der rassistischen National Alliance und Verfasser der «Turner-Tagebücher», die auch den Oklahoma-Attentäter Timothy McVeigh inspirierten.
Auch beim Bundesamt für Polizeiwesen in Bern hiess es Ende Woche, man wisse nicht, wo das geplante Treffen stattfinden soll. Auf jeden Fall scheint der Festort abgelegen zu sein. Gemäss Einladung kann «am Veranstaltungsort nicht parkiert werden», so dass ein «Shuttle Bus» die Besucher vom Parkplatz zum Treffen fährt.
Bereits in den 90er-Jahren gab es mehrere Skin-«Sommerpartys»
Angekündigt sind sechs einschlägig bekannte Bands aus Italien, Deutschland, England und der Schweiz. Dissens heisst die vierköpfige Schweizer Band. Sie ist über eine Postfach-Adresse im luzernischen Malters erreichbar, wo die Hammerskins einst ihren «Nibelungensaal» betrieben. Die Band hat zwar noch kaum Konzerte gegeben, doch bereits im vergangenen Jahr eine CD veröffentlicht. Sänger der Gruppe ist ein bekannter 32-jähriger Hammerskin. In einem Interview, das in einer deutschen Skinhead-Zeitschrift erschienen ist, erklärt ein Dissens-Mitglied, sie seien zwar keine Hammerskin-Band, doch würden sie diese Bewegung unterstützen.
Bereits in der ersten Hälfte der 90er-Jahre hatten die Schweizer Hammerskins jährlich eine «Sommerparty» organisiert. Letztmals im August 1995, als sich im aargauischen Schönenwerd rund 200 Glatzköpfe trafen. Wenige Wochen später griffen 55 Hammerskins eine Musikveranstaltung im luzernischen Hochdorf an. Dieser Zwischenfall schränkte die Organisationskraft der Hammerskins für längere Zeit ein, da gegen sämtliche Beteiligte Strafverfahren eingeleitet wurden und in allen Fällen Urteile ergingen. Doch im vergangenen Jahr waren Hammerskins an der Organisation verschiedener grösserer Skinkonzerte mitbeteiligt, so dass die Schweiz heute als «wahres Paradies» - so ein deutscher Naziskin - für Konzerte gilt.
Am Mittwoch feiert die rechte PNOS «den Geburtstag unseres Landes»
Bereits in der kommenden Woche werden sich die jungen Schweizer Rechtsextremisten zweimal treffen. Am nächsten Mittwoch feiert die Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) «den Geburtstag unseres Landes». Auch die PNOSler geben genauere Angaben erst kurzfristig weiter. Im vergangenen Jahr vergnügten sich die PNOSler auf einem Hof im aargauischen Oberhof/Fricktal. Und für den 1. August rufen andere jugendliche Rechtsextremisten, die sich «Patrioten» nennen, zu einem Grossaufmarsch mit Schweizer Fahnen aufs Rütli auf. An der Bundesfeier 2000 hatten Neonazis auf dem Rütli die Ansprache von Bundesrat Kaspar Villiger gestört.