Einst wollte er eine Volksinitiative für die Wiedereinführung der Todestrafe lancieren, nun will Christian Riesen die Schächtsverbots-Initiative von Erwin Kessler retten.
Erwin Kesslers Schächtverbots-Initiative schien aus Abschied und Traktanden gefallen zu sein, nachdem der notorische Antisemit und VgT-Präsident Mitte Juni verkündigte hatte, dass er die Unterschriftensammlung einstelle und sich von der Tierschutz-Arbeit resigniert zurückziehe wolle. Doch es sollte anders kommen: Am Dienstag dieser Woche kündigte der 31jährige Medienunternehmer Christian Riesen, Solothurn an, er habe eine "Gruppe" zur Rettung von Kesslers Initiative gegründet. Man wolle, so Riesen weiter, "unter Einsatz neuer Kommunikationsinstrumente" - lies Handy und Internet - intensiv Unterschriften sammeln. Immerhin fehlen noch über 50'000 Unterschriften.
Allerdings hat das ehemalige Berner JSVP-Vorstandsmitglied Christian Riesen bereits Erfahrung mit einer gescheiterten Volksinitiative. Im Frühling 1997 wollte er - zusammen mit einem Mitstreiter - ein eidgenössisches Volksbegehren für die Wiedereinführung der "Todestrafe für Mörder" lancieren. Angesichts des massiven öffentlichen Widerstandes - auch aus den Reihen der SVP - scheiterte das Vorhaben noch vor Beginn der Unterschriftensammlung. Auch damals hatte Riesen behauptet, die notwendigen Unterschriften locker beschaffen zu können.
Auf seiner Homepage schreibt Riesen auch, dass er aus "personellen und persönlichen Gründen" keine Spendengelder verwalten und horten möchte. Der 31jährige Riesen spielt damit auf eine gegen ihn eingereichte Strafanzeige wegen Veruntreuung an, welche das militärfreundliche Forum Jugend und Armee im Januar 1998 gegen ihren einstigen Kassier eingereicht hatte. Der Ausgang dieses Verfahrens ist, wie die WochenZeitung Mitte April 2002 berichtete, "unbekannt". Auf per E-mail gestellte Fragen reagierte Riesen am Mittwoch nicht. Aber eben. Riesen steht, wie er in einer Pressemitteilung ausführt, für weitere Informationen nur dann zur Verfügung, "wenn es der eng belegte Terminkalender zulässt". Auch hier nichts Neues. Die Berner Zeitung schrieb bereits im Frühjahr 1997 über Riesen: "Wenn er mit spitzen Mund über seine berufliche Vielfalt erzählt, schlüpft er in die Rolle eines grossspurigen Konzern-Managers."