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Ein deutsches Rechtsaussen-Magazin musste aufgeben. Der Schweizer sprang in die Lücke.

Der deutsche Verfassungsschutz verbreitete seit Jahren eine klare Einschätzung: Das Monatsmagazin «Code» aus dem Diagnosen-Verlag im baden-württembergischen Leonberg veröffentlicht «schwerpunktmässig revisionistische, die Kriegsschuld und NS-Verbrechen leugnende Beiträge» und rechtfertigt «gewalttätige Übergriffe gegen Ausländer». So steht es im Verfassungsschutzbericht von 1992. Im vergangenen November stellte «Code» überraschend sein Erscheinen ein. Herausgeber Ekkehard Franke-Gricksch sagte, der rechtsextremistische US-Verschwörungsphantast Lyndon LaRouche, dessen Nachrichtendienst er benützte, habe die Zusammenarbeit eingestellt. «Darauf war ein weiteres Erscheinen nicht mehr möglich.»

Im Januar 1996 erhielten die «Code»-Abonnenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz Post aus Hallau im Kanton Schaffhausen. Memopress-Verleger Emil Rahm teilte den «sehr geehrten «Code»-Abonnenten» mit: «Ich habe mich bereit erklärt, Ihnen als Ersatz für «Code» - das andere deutsche Nachrichtenmagazin, meine «Memopress» im Abonnement zuzustellen.» Rahm habe die «Lieferverpflichtung übernommen», bestätigt Franke-Gricksch, der seit mindestens 15 Jahren mit Rahm zusammenarbeitet.

Mit seiner vierseitigen, vierteljährlich erscheinenden «Memopress» könne er eine Monatszeitschrift nicht ersetzen, schwächte Rahm gegenüber FACTS ab. Aber: «Ich fand, es besteht eine Lücke, die es zu schliessen gilt. Es ist notwendig, dass die Aufklärung gegen Machtkonzentration und Internationalismus weitergeht.» Rahm, der in den vergangenen Jahren gelegentlich «Code»-Artikel in der «Memopress» abdruckte, will mit seinem Engagement «Sachen ans Licht bringen, die in der allgemeinen Presse untergehen».

Was er darunter versteht, zeigt das SVP-Mitglied Rahm in seinem ersten Versand an die einstigen «Code»-Abonnenten. Zusätzlich zur aktuellen «Memopress»-Nummer liefert Rahm eine früher erschienene Besprechung eines Buches, das sich breit über die angeblich angestrebte Weltherrschaft der Freimaurer auslässt. Und in einer zweiten Beilage verbreitet Rahm die absurde These von Gerd Josef Weisensee, der sich über die «Numerierung aller EG-Bürger» mittels eines unter der Haut angebrachten Strichcodes auslässt.