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Eine Übersicht.

Subkultureller Rechtsextremismus: Naziskinheads
Auch im vergangenen Jahr lassen sich in der Schweiz nur noch wenige Aktivitäten der internationalen Naziskin-Netzwerke Hammerskins und Blood and Honour nachweisen. Beide Tendenzen sind noch mit einem Forum im Internet vertreten, beide enthalten aber nur noch wenige Eintragungen. Im Sommer/Herbst erschienen allerdings zwei Nummern des französischsprachigen Blättchens "Omerta", herausgegeben von "Combat 18 Suisse" . Auch führte die Gruppe für kurze Zeit einen Blog. Unbekannt ist, wer dieser Gruppe angehört und wo ihre Mitglieder leben.

Genève non conforme GNC
Wohl seit 2010 existiert die Gruppe "Genève non conforme" GNC, allerdings war ein GNC-Wortführer bereits seit 2008 mit einem fleissig betriebenen Blog im Weltnetz präsent. Die Gruppe, die wohl nur aus wenigen Mitgliedern besteht, verbindet an sich linke Themen (Kritik an der Marktwirtschaft und an sozialen Ungerechtigkeiten) mit einer europazentrierten/rassistischen Haltung, gerne als Kampf gegen Globalisierung umschrieben. Sie hat nach ihren Aussagen im Jahr 2011 zweimal in Genf und Umgebung ein Haus besetzt, ferner für die Unterstützung des syrischen Diktators demonstriert. Ende März hielt Gianluca Iannone, Anführer von CasaPound und Sänger der Band Zetazeroalfa, einen Vortrag in einem kleinen und fensterlosen Raum.

Autonome Nationalisten Zürich
Im Sommer 2011 erschien für kurze Zeit eine Internet-Seite der Autonomen Nationalisten Zürich. In einem Interview, veröffentlicht auf einer rechtsextremen deutschen Seite, erklärt ein Mann namens "Felix" (21-jährig, früher Schüler an einem Gymnasium), er habe "vor etwa einem Jahr" (also 2010) zusammen "mit zwei anderen Freunden" die Autonomen Nationalisten Zürich gegründet. Sie seien "die erste autonome nationalistische Gruppierung aus der Schweiz". Er gibt sich als Nationalsozialist zu erkennen und erklärt weiter: "Viele Mitglieder von uns haben deutsche Vorfahren. Ich stamme aus einer deutschen Familie und meine Vorfahren lebten im Reich und mein Großvater hat wie jeder volkstreue Deutsche für das Reich gekämpft." Die Autonomen Nationalisten Zürich figurierten im Herbst 2010 als "Unterstützer" von zwei rechtsextremen Kundgebungen in Deutschland.

Musikgruppen, Buch- und Musikversände
In jugendlichen Subkulturen ist Musik ein beliebtes Mittel, um Lebensstil und (allenfalls politische) Botschaft zu vermitteln. Viele Jahre lang mussten Schweizer Naziskins und Rechtsextremisten sowohl Tonträger wie Bücher im Ausland beziehen. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Im Jahre 2011 war vor allem der Holy War Records Versand aktiv. Von der Bildfläche verschwunden ist der Streetnoise Versand, einst erreichbar über eine Postfachadresse in aargauischen Erlinsbach. Der PNOS Weltnetzladen ist im Herbst 2011 in den Buchversand Neue Zeitwende aufgegangen.

Holy War Records
Holy War Records vertreibt nicht nur eine grosse Anzahl rechtsextremer Tonträger aus dem In- und vor allem Ausland, sondern produziert - zwar selten - auch eigene CDs. Ende 2011 unterstützte der Versand ein Projekt der Helvetischen Jugend Berner Oberland mit Geld, die eine - nach 2007 - zweite "Schulhof CD" produzieren will. Absicht: "Kulturzerfall, Massenarbeitslosigkeit, Scheindemokratie und Volkstod sind bei Weitem nicht mehr nur warnende Schlagworte einer nicht gern gesehenen politischen Minderheit - sie sind leider zur traurigen Wahrheit geworden." Die HJ will ihr "Anliegen - ähnlich wie es unsere systemtreuen Kontrahenten praktizieren! - mit musikalischen Klängen an die Jugend" bringen. Verantwortlich für Holy War Records ist ein Verein Meinungs- und Redefreiheit in Kunst und Medien, Ansprechpartner ist Marcel Gafner, erreichbar über ein Postfach in Brienz. Gafner ist auch Stellvertretender Vorsitzender der PNOS-Sektion Berner Oberland.

Indiziert
Die Band Indiziert besteht weiterhin, doch sind im Jahre 2011 keine Auftritte bekannt geworden. Mit einem Lied vertreten ist sie - zusammen mit sechs weiteren Combos - auf einem Tonträger der Gruppe Kraftschlag. Refrain des Indiziert-Liedes: "Wir sind eine weisse Rockband und spielen weisse Musik. Unsere Waffen sind die Instrumente und Melodien für den Sieg." Im Herbst 2011 kündigte die Band zur Feier des 10-jährigen Bestehens ein grosses Konzert für Mitte Januar 2012 an. Die Musiker der Band: Die PNOS-Exponenten Dominic Lüthard und Benjamin Lingg sowie die Brüder Alex und Cédric Rohrbach.

Buchversand Neue Zeitwende
Im November 2011 übernahm der Buchversand Neue Zeitwende den Buchversand der Partei National Orientierter Schweizer PNOS. Das Angebot hat sich nicht verändert. Der Versand verbreitet verschwörungsfantastische Bücher über Geheimbünde, verherrlichende Literatur über die Waffen-SS und apologetische Bücher zum Nationalsozialismus, dazu Werke einschlägiger Autoren wie Jürgen Schwab. Eine ganze Reihe der angebotenen Bücher stammt aus dafür bekannten deutschen Rechtsextremisten-Verlagen wie beispielsweise dem Hohenrain-Verlag oder dem Grabert-Verlag. Das Angebot veränderte sich mit den Jahren nur wenig und umfasst auch DVDs, Hörbücher und Tonträger.

Der Buchversand, erreichbar über eine Postfachadresse in Aefligen bei Kilchberg BE, wird weiterhin von Adrian Segessenmann ("Inhaber") und Michael Vonäsch ("Mitarbeiter") betrieben. Beide Männer sind PNOS-Exponenten, Segessenmann ist auch "Stv. Vorsitzender" der Sektion Emmental, Vonäsch war bis Ende Juli 2011 Präsident der Sektion Willisau.

Avalon Gemeinschaft
Zum "Jahresende 2011" berichtet der Vorsitzende Adrian Segessenmann, die Gemeinschaft habe "mehrere interne Veranstaltungen" durchgeführt, allerdings ohne konkretere Angaben zu machen. Wie in den vorangegangenen Jahren bemühte sich die Avalon Gemeinschaft, unter Ausschluss einer grösseren Öffentlichkeit zu agieren. Mit einer Ausnahme: Im November hätten sie das "4. Nationale Forum" durchgeführt. Segessenmann bestätigt damit eine Enthüllung der Antifa Bern, die Anfang November berichtete hatte, die beiden deutschen Rechtsextremisten Hans Schmidt und Bernd Rabehl würden Mitte November 2011 bei einer Vortragsversammlung im Grossraum Luzern auftreten. In der Avalon Gemeinschaft, gegründet 1990, treffen sich verschiedene rechtsextreme Strömungen von den Altnazis über Holocaust-Leugner bis zu Angehörigen rechtsextremer Subkulturen.

Politische Organisationen

Partei National Orientierter Schweizer PNOS
Die PNOS-Aktivitäten wurden bereits seit Jahren nur von wenigen Exponenten getragen. Immer wieder verabschiedeten sich bekannte Gesichter von der politischen Arbeit, sei es aus beruflichen, privaten oder politischen Gründen. Auch im Jahr 2011 haben sich mehrere Aktivisten offiziell zurückgezogen, so Michael Vonäsch, der PNOS-Präsident der Sektion Willisau. Seinen Rücktritt begründete er mit persönlichen und beruflichen Motiven, aber auch mit fehlender Unterstützung. Er verbreitete zwar Zuversicht, "dass wir im Kanton Luzern eine starke, nationale Kantonalpartei gründen könnten," Doch ihm bleibt nichts als die Hoffnung, dass bei einer solchen Neugründung auch "Schweizer Demokraten und einige Exponenten der JSVP" mitmachen würden.

Seit dem Rücktritt Vonäschs lassen sich keine Aktivitäten der PNOS-Ortsgruppe Willisau mehr nachweisen. Ebenfalls kaum aktiv waren die Ortsgruppe Schwyz (Vorsitzender: Dani Herger) und das "Infoportal Aargau" (verantwortlich: Kevin Mareque). Von Schwierigkeiten berichtet auch die Ortsgruppe Basel (Vorsitzender: Michael Herrmann): Die Sektion sei "von Vorstandswechseln und Personalwechseln geplagt" gewesen und habe "das eigentliche Thema, nämlich die nationale Politik" vergessen. Der Versuch eines Neuanfangs (Ende September 2011) führte bis Jahresende noch zu keinen öffentlich wahrnehmbaren Resultaten. Und Mitte November kündigt die PNOS Oberaargau an, sie verzichte auf einen "Ersatzkandidaten" für den Sitz im Langenthaler Stadtparlament. Selbstverständlich sprach die Partei sich Mut zu. Der Rückzug solle "keineswegs heissen, dass die PNOS von der Bildfläche verschwinden" werde, ganz im Gegenteil: "Wir sind fest entschlossen, nächstes Jahr in die Offensive zu gehen und als Partei Akzente in der Region zu setzen." Wir werden ja sehen!

Die PNOS wurde Anfang September 2000 von Männern aus dem Blood-and-Honour-Umfeld gegründet. Zum ersten Mal nach Ende des Zweiten Weltkrieges gelang es einer rechtsextremen Partei, über zehn Jahre aktiv und funktionsfähig zu bleiben; nun deutet vieles darauf hin, dass die PNOS seit einigen Zeit nur noch mit Mühe ihre Parteiaktivitäten weiter betreiben kann.

Kameradschaften im Umfeld der PNOS
Kameradschaften sind lose und lokale Gemeinschaften von Rechtsextremisten, die weder einer Partei noch einer anderen grösseren Organisation angehören. Sie sind häufig informell organisiert, das heisst sie kennen keine formelle Mitgliedschaft.

Waldstätterbund
Innerhalb weniger Wochen organisierte der Waldstätterbund im Frühjahr 2011 gleich mehrere Veranstaltungen, so einen "Selbstverteidigungs- und Kameradenhilfekurs", weiter ein "Kultur- und Erlebniswochenende" mit dem Besuch von Tell- und Löwendenkmal. Auf der Homepage beklagt sich der Waldstätterbund noch über ein Gerichtsverfahren gegen sieben Personen, die am 1.August 2009 ohne Eintrittskarten auf das Rütli wollten. Gessler sei einst für einen Unrechtsstatt gestanden, moniert der Waldstätterbund pathetisch und fährt dann fort: "Heute besteht das Unrechts-Recht darin, dass die Eidgenossen an ihrem Nationalfeiertag nicht mehr auf das Rütli - den heiligsten aller Orte und Symbol der eidgenössischen Werte - gehen dürfen."

Helvetische Jugend
Im Herbst kündigte die Helvetische Jugend Berner Oberland den Plan an, eine neue Schulhof-CD zu produzieren. Denn: "Kulturzerfall, Massenarbeitslosigkeit, Scheindemokratie und Volkstod" seien "nicht mehr nur warnende Schlagworte einer nicht gern gesehenen politischen Minderheit - sie sind leider zur traurigen Wahrheit geworden." Der Tonträger soll anschliessend an SchülerInnen gratis abgegeben werden. Von der ersten Schulhof-CD wollen die Produzenten 4000 Stück abgesetzt haben. Diese Angabe lässt sich nicht überprüfen.

Weitere Kameradschaften
Im Weltnetz haben noch weitere "Organisationen" ihren Auftritt, allerdings werden sie nicht weiter gepflegt, so die "Freien Nationalisten St. Gallen und Ostschweiz". Sie seien, so melden sie auf ihrer Homepage, "ein unabhängiger Zusammenschluss von jungen Leuten, deren Ziel es ist, die Idee des nationalen Sozialismus der Bevölkerung bekannt zu machen und sämtliche Vorurteile aus dem Weg zu räumen". Allerdings wurde die Homepage nur im Februar 2011 aktiv betrieben. Von weiteren Aktivitäten ist nichts bekannt, ebenso beim "Aktionsbündnis Nordschweiz". Dieses Bündnis "sieht sich als eine freie Form des deutsch-schweizerischen, nationalen Widerstandes an".

Kameradschaft Innerschweiz
Im November und Dezember 2011 verbreitete die Kameradschaft Innerschweiz KI zwei Flugblätter, zuerst eines zur kantonalen Volksabstimmung über die Einführung eines fakultativen kommunalen Ausländer-Wahlrechtes, dann eine Aufforderung "Leistet Widerstand". Sie reagierten damit auf die Verhaftung mehrerer junger Männer aus verschiedenen Ländern, Beschuldigte eines Sexualdeliktes.

Einen Hinweis auf die Existenz einer "Kameradschaft Innerschweiz" gab es bereits bei der Sempacher Schlachtfeier 2008: Einzelne Teilnehmer des Rechtsextremenaufmarsches trugen ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift "Kameradschaft Innerschweiz". Auf einer Social-Media-Homepage ist die KI seit Herbst 2011 präsent, allerdings nur mit wenigen Einträgen. Unter anderem mit einer Selbstdarstellung: "Du kennst die Situation in unserem Heimatland: Ausländerbanden kriegendie Überhand und keiner Wehrt sich. Wir als Schweizer sind die Minderheit, und bekommen es täglich zu spüren. Im Ausgang, in der Schule oder am Arbeitsplatz, überall werden wir mit Ihnen konfrontiert." (Orthographie gemäss den Vorschlägen der Kameradschaft Innerschweiz.) Die KI bezeichnet sich darin weiter als "grösste nationale Jugendorganisation in der Innerschweiz".

Volksbund Wasserschloss
Über den Volksbund Wasserschloss ist bislang kaum etwas an der Öffentlichkeit gelangt, er verfügt jedoch über eine Internet-Präsenz, eingetragen auf "Tobias Ernst, Koblenz AG". Der Volksbund Wasserschloss zählt sich - gemäss den Angaben auf der Homepage - "seit September 2011 zur Europäischen Aktion". Anfang August 2011 hatte ein EA-Vertreter vor den Volksbündlern referiert. Der Bund besteht ansonsten - gemäss eigenen Angaben - ausschliesslich "aus Parteilosen, da wir dem liberalistischen Parlamentarismus sehr kritisch gegenüber stehen". Unklar ist, wie viele Leute der Volksbund Wasserschloss ansprechen kann.

Gemäss einer Selbstdarstellung ist der Volksbund Wasserschloss 2008 entstanden, gegründet von "kulturbewussten Nationalisten, die Werte anstatt Konsum in den Vordergrund des Lebens stellen, um so an Glück und Freiheit zu gelangen.". Der Volksbund stehe "zu den Grundsätzen des Nationalen Sozialismus." Im Jahr 2011 hat der Volksbund als "Ostara-Aktivität" das Festungsmuseum Reuenthal AG und das Panzermuseum Full AG besucht, zwei Filmveranstaltungen durchgeführt, auch mit Filmen über das Ende des Zweiten Weltkriegs. Fazit auf der Homepage: "Die Verbrechen an deutschen Soldaten und Zivilisten wurde als unnötig und traurig empfunden. In der anschliessenden Diskussion war man sich einig, dass Deutsche keinen neuen Opferkult erschaffen, wohl aber die Konsequenz der einseitigen Geschichtsschreibung thematisieren sollen."

Heimatbewegung
Auch im Jahre 2011 drang von den Aktivitäten der Heimatbewegung nur wenig an die Öffentlichkeit. Sie bewegt sich am Rand der bereits randständigen Schweizer Rechtsextremistenszene. Sie will die Aufteilung der Schweiz entlang den Sprachgrenzen. Oder wie es die Heimatbewegung ausdruckt: "Um die Überlebensinteressen der Alemannischen Volksgruppe auch zukünftig zu wahren, kämpfen wir für einen Eidg. Volksstaat in den Grenzen der heutigen Deutschschweiz." Oder auch: "Die HB kämpft für die Auflösung der multiethnisch zusammengesetzten viersprachigen Schweiz, welche wir in dieser Form nicht als unser Vaterland betrachten, und die Schaffung eines alemannischen Volksstaates in den Grenzen der heutigen Deutschschweiz." Die Heimatbewegung hat im Verlauf des Jahres ihr Postfach gewechselt, neu befindet sich dieses in Zug.

Les Jeunes Identitaires Genevois
Es macht den Anschein, dass die Aktivitäten der Genfer Identitaires im Herbst 2011 eingeschlafen sind. Die Gründe sind nicht bekannt.

Die Identitaires kämpfen vorwiegend gegen "die Islamisierung", auch mit ihrem Wahlflugblatt in Grand-Sacconex. Islamfeindschaft ist auch das Thema des Buches "Lépante 1571" , herausgegeben von den franzöischen Identitaires. Unter den Autoren ist aber auch der Genfer Exponent Jean-David Cattin. Cattin, Oberleutnant der Schweizer Armee, gehört auch in Frankreich zu den führenden Vertretern der Identitaires, so trat er im Mai 2001 in Lyon als Redner bei einer Kundgebung auf. Er wurde im März 2011 ins "Exekutivbüro des Bloc Identitaires" (bureau exécutif du Bloc Identitaire) gewählt. Cattin war bereits vorher zwei Jahre für die Durchführung des "Sommerlagers" verantwortlich gewesen. Zum Programm dieser Lager gehören Sport (inklusive Kampfsportarten) und politische Bildung.

Politisch-kulturelle Projekte
Die alten Herrschaften versuchen weiterhin rechtsextreme Inhalte zu vermitteln: Gaston-Armand Amaudruz ebenso wie das Ehepaar Paschoud und Ernst Indlekofer. Nur Max Wahl (geb. 1923) scheint kürzer zu treten, von seinen "Notizen" scheint nur noch eine Nummer erschienen zu sein. Auch in dieser Nummer lobt Wahl das nationalsozialistische Regime und diffamiert die Alliierten und Juden.

Gaston-Armand Amaudruz: Courrier du Continent
Seit Jahrzehnten schon produziert Gaston-Armand Amaudruz (inzwischen 91-jährig) regelmässig seine Schrift "Courrier du Continent", immer noch mit dem Untertitel "Bulletin du Nouvel Ordre Européen". Von Aktivitäten dieser rechtsextremen Kleingruppe ist seit vielen Jahren nichts mehr bekannt geworden, doch Amaudruz macht weiter. Auf zwölf Seiten verbreitet er zuerst "Bloc Notes", Kurznachrichten aus den Massenmedien sowie Hinweise auf neue rechtsextreme Publikationen samt Bezugsquelle.

Mariette und Claude Paschoud: Le pamphlet
Bereits seit über 40 Jahren beehrt das Ehepaar Mariette und Claude Paschoud das Waadtland mit seinem Blättchen, zehnmal vier Seiten jährlich. Auch Michel de Preux schreibt regelmässig. Sie mischen sich etwa in rechtsbürgerliche Diskussionen wie die Auseinandersetzungen um die Waadtländer Bildungspolitik ein. Mariette Paschoud sympathisiert unter der Rubrik "Les nouvelles aventures …" mit Holocaust-Leugnern, drückt die Daumen, dass der Österreicher Wolfgang Fröhlich vorzeitig aus der Haft entlassen wird oder empfiehlt einen apologetischen Film über den bekannten französischen Holocaust-Leugner Robert Faurrison als "sehr lehrreiches Vergnügen" (un plaisir fort instructif).

Presseclub Schweiz/Ernst Indlekofer: Recht+Freiheit
"Recht+Freiheit" sei, so behauptet der Redaktor Ernst Indlekofer, "eine der volksnahesten deutschsprachigen Zeitungen" - nur hat dies bis anhin kaum jemand bemerkt. Aber auch an anderen Stellen entfernt sich die Phantasie des Alleinredaktors von den gesicherten Fakten. Er verbreitet freimaurerfeindliche Verschwörungsphantasien, hält den Anschlag auf das World Trade Center für "eine Geheimdienstoperation" , und Breivik bezeichnet er als "Auftragstäter" . Er wettert - im Stile altgedienter Neonazis - auch über den "marxistisch-zionistischen Zerstörungswillen" .
Indlekofer vertritt einen biologistischen Rassismus. Er schreibt: "Die europäischen Kulturvölker werden durch eine fahrlässig geförderte und/oder schweigend geduldete massenhafte Einwanderung fremder Rassen und wegen des bekannten, aber von der Politik nie durch Familienförderung behobenen Geburtenschwunds der eigenen Völker, dem Untergang preisgegeben." Er fordert dann einen "totalen Zuwanderungsstopp" und die "Repatriierung zunächst der papierlosen Eindringlinge (‚les sans papiers') und der Wirtschaftsflüchtlinge".

Offiziell wird "Recht+Freiheit" vom Presseclub Schweiz herausgegeben; die Mitgliederversammlung fand am 12. September 2001 an einem unbekannten Ort statt. Indlekofer ist für Verlag und Redaktion zuständig. Unbekannt ist, wie gross die Auflage der Zeitschrift ist und wie viele Mitglieder dem Verein angehören.

Association des Amis de Robert Brasillach
Seit 2007 ist der Genfer Anwalt Pascal Junod Präsident der Association des Amis de Robert Brasillach, die seit rund 60 Jahren das Andenken an den französischen Schriftsteller und Nazi-Kollaborateur Robert Brasillach pflegt. Wie im vergangenen Jahr trat bei der Jahresversammlung auch der französische Holocaust-Leugner Eric Delcroix auf. Pascal Junod, heute aktiv für das Mouvement Citoyen Genevois MCG hat eine lange rechtsextreme Karriere hinter sich. Bereits in den 1980er-Jahren war er Mitbegründer von Gruppierungen der Neuen Rechten wie dem Cercle Thule oder dem Cercle Proudhon. Später war er eine Zeit lang Mitglied und Exponent der Genfer SVP, bis er aus der Partei austreten musste.

Internet-Präsenz
SchweizerKrieger/Mr. Odessa - Bruderschaft 1291
Seit Sommer 2008 betreibt ein unbekannter Schreiber, Pseudonym "Mr. Odessa" und gemäss seinen Angaben in Luzern wohnhaft, seinen Blog "SchweizerKrieger", in dem er die bevorzugten Themen von Rechtsextremen und der SVP aufnimmt: Ausländer, Muslime, Linke (gewalttätig). Der Schreiber erweckt den Anschein, dass er Mitglied einer "Bruderschaft 1291" sei. Er meint martialisch: "Wir Nationalisten haben niemals behauptet, dass wir Vertreter eines demokratischen Standpunktes seien, sondern wir haben offen erklärt, dass wir uns demokratischen Mittel nur bedienen, um die Macht zu gewinnen, und dass wir nach der Machtergreifung unsere Gegner alle Mittel rücksichtslos versagen werden, die man uns in Zeiten der Opposition zubilligt." Über Aktivitäten einer "Bruderschaft 1291" ist nichts bekannt. Der Blogschreiber publizierte längere Zeit praktisch ohne öffentliche Beachtung.

Holocaust-Leugner
Holocaust-LeugnerInnen bestreiten drei offensichtliche historische Tatsachen: Erstens dass es einen Plan zur Ermordung der europäischen Juden gegeben habe; zweitens dass Gaskammern zur Ermordung der Opfer gebaut worden seien; und drittens dass die Zahl der durch die nationalsozialistische Judenverfolgung umgekommenen Jüdinnen und Juden mehrere Millionen betrage.

Bernhard Schaub und die Europäische Aktion EA
Mitte September lud die Europäische Aktion EA zu ihrem ersten grossen internationalen Treffen . Die Versammlung begann in Einsiedeln und endete - nach einer Polizeikontrolle - auf dem Schlachtfeld von Morgarten; rund hundert Personen sollen gemäss den Veranstaltern anwesend gewesen sein. Anführer ist der Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub, weiter tätig sind als Schweizer der bis anhin unbekannte "Landesleiter" Patrick Wagner und als "Organisationsleiterin" Bettina Schaub. Ebenfalls als Redner traten auf: Dr. Rigolf Hennig (D), Dr. Hans Berger (A), Laurent de Lihus (F), Lady Michèle Renouf und Richard Edmonds (GB), Bojan Rassate (BG), Enric Sánchez Contreras (E).

Wie weit es der EA bereits gelungen ist, andere rechtsextreme Gruppierungen in die "Bewegung" einzubinden, ist unklar. Erwiesen ist, dass Schaub bereits an mehreren Orten aufgetreten ist, beispielweise Ende Oktober 2011 beim "karlsruher//netzwerk". Schaub habe, so der Bericht der Veranstalter, "klar" gemacht, wer "die Übeltäter" der Missstände seien. Aber man könne "etwas verändern", dies sei "ein schwieriger Weg", den man "als Europäer gemeinsam gehen" müsse. "Genau aus diesem Grunde wurde die Europäische Aktion ins Leben gerufen." Unterstützung erhält Schaub von Ernst Indlekofer. Dieser sieht in Schaubs programmatischer Schrift "Die Europäische Aktion" ein "zukunftsweisendes Sachbuch" .

In den letzten Monaten 2011 griff die EA zweimal in tagespolitische Auseinandersetzungen ein. Im Gefolge der kurzfristig aktiven "Occupy-Bewegung" verteilte die EA in Zürich ein Flugblatt, überschrieben mit "Banken entmachten" und der antisemitischen Anspielung "Der Rothschild-Kapitalismus treibt uns alle in den Ruin." Anfang Dezember streute die EA in Bettwil AG und Umgebung ein Flugblatt "Asylanten sind Okkupanten". Selbstverständlich distanzierten sich die einheimischen Gegnerinnen und Gegner der geplanten Asylbewerber-Unterkunft gegen "verschiedenste zweifelhafte bis rassistische Gruppierungen", doch hatte ein Exponent des Bettwiler Widerstandes Asylbewerber generell beschuldigt und ihr Menschenrecht auf Freiheit in Frage gestellt.

René-Louis Berclaz - Editions de Cassandre
Weiterhin verbreitet René-Louis Berclaz seine antisemitischen Bücher wie beispielsweise Henry Fords "Der internationale Jude". Berclaz' Verlag "Editions de Cassandre" ist erreichbar über ein Postfach in der Walliser Kleinstadt Sierre. Im vergangenen Jahr publizierte Berclaz im Internet regelmässig antisemitische Texte; so schreibt er im März 2011, dass Frankreich während vierhundert Jahren "ohne" Juden gelebt hätte und dies ein "Goldenes Zeitalter" gewesen sei .

Comité de soutien à Vincent Reynouard und Collection Etudes aryennes
Anfang April 2011 entliessen die französischen Behörden den Holocaust-Leugner Vincent Reynouard vorzeitig aus der Haft. Aus der Schweiz fuhr Mariette Paschoud nach Paris, um ihn in der Freiheit begrüssen zu können . Nach der Haftentlassung hat das Unterstützungskomitee seine öffentlichen Aktivitäten eingestellt, wenn auch die Homepage weiterhin aufgeschaltet bleibt.

Reynouards Unterstützungskomitee war über eine Postfachadresse in Montreux erreichbar gewesen. Über die gleiche Adresse vertreiben auch die "Collection Etudes aryennes" ihre Bücher, so eine Neuauflage eines Werkes von Jean Haupt "Le procès de la démocratie" mit dem Leitgedanken: "Um aus der Sackgasse herauszukommen, muss man aus der Demokratie aussteigen." (Pour sortir de l'impasse, il faut sortir de la démocratie.) Oder auch ein Buch des Nazis Claude Nandy (alias Doyto Soas, alias N.C. Doyto) .

Jürgen Graf
Jürgen Graf hat auch im Jahr 2011 nur wenige Texte publiziert. Er veröffentlichte einen Aufsatz, in dem er erneut die "Massentötungen durch Giftgase" im Konzentrationslager Majdanek bestreitet. Weiter erschien Grafs deutschsprachige Übersetzung das antisemitischen Buches "The Controversy of Zion/Der Kampf um Zion" des Engländers Douglas Reed. In seiner "Einleitung zur deutschen Übersetzung" offenbart Graf seine antisemitische Motivation. Er endet mit der Behauptung: "Die abendländischen Völker können unter dem zionistisch kontrollierten globalistischen System nicht leben. Es mordet ihre Seele und ihre Kultur; es strebt ihre biologistische Auslöschung an." Graf bezeichnet den US-Präsidenten Barack Obama als von "Hintergrundmächten" ausgewählten Präsidenten. Graf, der sich vor Jahren einer Gefängnisstrafe durch Flucht entzog, lebt in Russland. Sein Einfluss in der Schweizer Rechtsextremen-Szene ist nur noch sehr gering.