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SD-Nationalrat Hess besuchte zweimal die völkisch-heidnische Avalon-Gemeinschaft.

Bernhard Hess, der einzige noch verbliebene Nationalrat der Schweizer Demokraten (SD), besuchte unmittelbar nach der Nationalratswahl 1999 zweimal Veranstaltungen der völkisch-heidnischen Avalon-Gemeinschaft, deren Aktivitäten vom Berner Rechtsextremisten Roger Wüthrich und vom Islamisten Ahmed Huber getragen werden. Dies schreibt der ehemalige SD-Parteisekretär Alexander Nyffenegger in einem Manuskript, das der SonntagsZeitung vorliegt.

Die Avalon-Veranstaltungen sind nur für Eingeladene zugänglich. Unter anderem, um keine Probleme mit der Rassismus-Strafnorm zu bekommen, wie Avalon-Exponent Ahmed Huber auf Anfrage erklärt. Dies galt auch für den Vortrag mit Franz Schönhuber, einst Mitglied der Waffen-SS, später Parteipräsident der deutschen Rechtsaussenpartei «Die Republikaner», den die Avalon-Gemeinschaft auf Schloss Münchenwiler bei Murten im November 1999 organisierte. Unter den Anwesenden seien, so schreibt Nyffenegger, neben Bernhard Hess auch viele bekannte Köpfe der Schweizer Rechtsextremisten-Szene gewesen: zum Beispiel der Lausanner Altfaschist Gaston-Armand Amaudruz, der Basler Holocaust-Leugner Jürgen Graf sowie Bernhard Schaub, ebenfalls Holocaust-Leugner und heute Hauptverantwortlicher der Nationalen Ausserparlamentarischen Opposition (Napo).

Wenige Wochen später, am 18. Dezember 1999, feierte die Avalon-Gemeinschaft an ihrer traditionellen Wintersonnenwendefeier ihr zehnjähriges Bestehen. Zum Jubiläum mieteten die Avalon-Leute das Schlösschen Thunstetten bei Langenthal. Auch hier habe sich Hess unter die Feiernden gemischt, schildert der auch diesmal anwesende Nyffenegger mit vielen Details. Avalon-Primus Wüthrich habe den kurz zuvor gewählten Bundesparlamentarier Hess gar besonders beglückwünscht: Es sei gut, «einen aus unseren Reihen im Parlament zu haben». Hess habe die Erwähnung vor versammelter Menge missfallen, und er habe die Feier vorzeitig verlassen.

Weder Roger Wüthrich noch Ahmed Huber wollen Angaben zu den Besuchern der beiden Veranstaltungen machen. Hingegen berichtet Huber freimütig, dass Hess in jener Zeit den wöchentlichen Avalon Stammtisch in einem Worblaufener Restaurant frequentiert habe. Und der ehemalige SD-Mitarbeiter Nyffenegger berichtet, er sei im Herbst 1998 durch Bernhard Hess in den Avalon-Stammtisch eingeführt worden. Auf Anfrage will Bernhard Hess zunächst «keinen Kommentar» abgeben. Auch nicht, nachdem er mit einem Auszug aus dem Nyffenegger-Manuskript konfrontiert worden ist. Später qualifiziert er die Unterlagen in einem Fax als «Roman», der «Wahrheiten, Halbwahrheiten und Erfundenes» enthalte, ohne zu präzisieren, was unwahr sein soll.

Hess ist nicht ohne Grund nervös. Im Herbst stellt er sich zu Wiederwahl - in einer Partei, von der SD-Parteipräsident Rudolf Keller behauptet, man wolle nichts mit Rechtsextremisten zu tun haben.