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Rechtsextreme demonstrieren im Gegensatz zu anderen meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit – wie auch gestern auf dem Bundesplatz.

Auch im vergangenen Jahr demonstrierten Rechtsextreme aus dem Umfeld der Pnos am ersten Sonntagnachmittag im März. Im Vorfeld der SVP-Einbürgerungsinitiative liefen rund vierzig Männer und Frauen durch die leeren Strassen von Schwyz. Der Schwyzer Gemeinderat hatte ein Pnos-Demogesuch zwar abgelehnt, doch die Rechtsextremen marschierten trotzdem. Zum Preis allerdings, dass sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit spazierten, so wie sie es jeweils auch am 1.Mai tun, wenn sie nach versteckter Mobilisierung in einem unangemeldeten Zug überraschend auftauchen – etwa letztes Jahr in Freiburg.

Zur Regel geworden sind rechtsextreme Aufmärsche bei nationalen Feiern, angefangen hat es 1996 auf dem Rütli, in den vergangenen Jahren sind Sempach, Morgarten, Näfels dazugekommen. In Sempach laufen die Rechtsextremen sogar im offiziellen Umzug auf das Schlachtfeld. Bei den anderen nationalen Aufmärschen müssen sie inzwischen ausweichen und eigene Kundgebungen veranstalten.

Region Emmental als Spezialfall
Vor einem Jahr Schwyz, dieses Jahr Burgdorf, diesmal gegen die Rassismus-Strafnorm, deren Abschaffung durch eine Volksinitiative wie auch durch einen nationalrätlichen Vorstoss unlängst gescheitert ist. Aber warum gerade Burgdorf, immerhin ist die Rassismus-Strafnorm kein Thema der lokalen oder regionalen, sondern der nationalen Politik? Die Region Emmental/Oberaargau gehört neben dem Berner Oberland und dem Raum Küssnacht/Schwyz zu jenen wenigen Gegenden der Schweiz, in der sich eine rechtsextreme Subkultur eingerichtet hat. Diese ist zwar marginal, aber trotzdem gefestigt.

Sie besteht nicht nur aus den Pnos-Sektionen Emmental und Langenthal; dazu gehören auch die Kameradschaft Helvetische Jugend, die Musikgruppe Indiziert und die in ihrem Umfeld veranstalteten Konzerte sowie der «Neue Zeitwende»-Buchversand, erreichbar über eine Postfachadresse in Aefliegen. Inhaber ist der Anführer der völkisch-heidnischen Avalon-Gemeinschaft, ihn unterstützt ein Willisauer Pnos-Exponent. Die Pnos-Demo findet also dort statt, wo die Partei Mobilisierungspotenzial hat. Das Burgdorfer Demogesuch hatte aber zusätzlich eine persönliche Spitze. Laut Markus Martig, Vorsitzender der Pnos-Sektion Emmental, richtete es sich auch gegen die neue Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch. Unmittelbar nach den Wahlen schrieb Martig auf der Sektionshomepage, die Pnos sei Zächs langjähriges Engagement gegen Rechtsextremismus in bester Erinnerung, und liess die Ankündigung des Demogesuches folgen.

Missmut gegen die Politik
Auf Missmut in der Szene stiess neben der starken Medienbeobachtung der Entscheid des Burgdorfer Gemeinderates nur noch eine Platzkundgebung zuzulassen. Der Umzug sei, so schrieb der Oberländer Pnos-Exponent Mario Friso, auf «eine lächerliche Platzkundgebung am Rande des Nirgendwo» beschnitten worden. Die Umleitung der Angereisten nach Bern ist deshalb folgerichtig und beweist die guten Organisationsfähigkeiten nicht zum ersten Mal. Im April 2008 verlegten Organisatoren sogar innert Stunden ein Konzert von der Westschweiz ins oberaargauische Roggwil.

Soweit sich dies überhaupt feststellen liess, waren Rechtsextreme aus der ganzen Schweiz wie auch aus dem deutschen Grenzgebiet in Burgdorf. In mehreren einschlägigen deutschen Foren war ja auch für den Aufmarsch mobilisiert worden. Insgesamt ist es der Pnos aber nicht gelungen, ihre politische Botschaft über die eigenen Leute hinaus zu verbreiten, wie auch nicht im vergangenen Jahr in Schwyz.