zurück zur Textübersicht

Der verurteilte Basler Holocaust-Leugner Jürgen Graf veröffentlicht einen Appell zur Vorbereitung auf die Illegalität. Der ebenfalls verurteilte Tierschützer verbreitet den Aufruf auf seiner Internet-Seite und solidarisiert sich offen mit rechtsextremen Positionen.

 

Auslöser der Grafschen Schreiben an seine "Freunde" ist die Verhaftung Ernst Indlekofers. Der Herausgeber und Redaktor der Holocaust-leugnenden Zeitschrift "Recht+Freiheit" wurde am 19. August 1998 verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt, nachdem die baselstädtische Kantonspolizei bei einer Hausdurchsuchung unter anderem die neueste Nummer von "Recht+Freiheit" sowie weiteres Material beschlagnahmt hatte. Fünf Tage später konnte Graf, unlängst zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt, seine antisemitischen Phantasien nicht mehr halten: Für Indlekofers Arretierung sei die Justiz eines "zionistischen Okkupantenregimes" verantwortlich. "Unter diesem Umständen muss sich jeder von uns auf die Arbeit im Untergrund vorbereiten." Graf ist allerdings vorsichtig genug, um dieser Aufforderung zur Illegalität, allenfalls zum Terrorismus, zugleich eine zwiespältige Distanzierung folgen zu lassen: "Ich appelliere aber dringendst vor allem an die jüngeren und ungeduldigeren unter Ihnen, von Gewaltakten Abstand zu nehmen. Unter den heutigen Umständen sind diese kontraproduktiv und nützen nur dem System." Die "heutigen" Umstände können sich allerdings schnell ändern.

Unbelehrbare Leugner
In seinem Aufruf vermittelt Graf auch Hinweise zur Verbreitung Holocaust-leugnender Literatur. Indlekofers Zeitschrift "Recht+Freiheit" soll "fast 4000 Abonnenten" haben und die Broschüre der Schweizer Holocaust-Leugner "Abschied vom Rechtsstaat" gar in 14 000 Exemplaren "unters Volk" gekommen sein. Grafs Zahlen lassen sich nicht überprüfen.

Indlekofer sitzt zu Wochenbeginn immer noch in Untersuchungshaft, doch die "Recht+Freiheit" (RuF)-Internet-Seite wird weiterhin betreut. Ein "RuF-Site-Team" warnt seit Montag die "Freunde und Sympathisanten vor allfälligen unbedachten Aktionen". Die anonymen Helfershelfer stehen dem inhaftierten Holocaust-Leugner in nichts nach. Ein weiterer neu veröffentlichter Text bezeichnet die Globallösung als "Ablasshandel", der nur möglich geworden sei "vor dem Hintergrund des sogenannten Holocaust, der im Laufe der Jahrzehnte durch eine unermüdliche Propaganda zum zentralen Ereignis des Zweiten Weltkrieges hochstilisiert worden war."

Kessler - noch weiter nach rechts
Grafs Aufruf verbreitet auch Erwin Kessler, Präsident und Lohnabhängiger des Vereins gegen Tierfabriken (VgT), auf der VgT-Internet-Seite. In einer "Anmerkung" bekennt Kessler, dass er zu den "regelmässigen Lesern" von "Recht+Freiheit" gehöre, aber dort nie "Rassistisches" gefunden habe. Aber eben, wie Indlekofer liebt es Kessler, seine Gegner als "Juden" zu bezeichnen. Kesslers Übereinstimmung mit den Positionen von Graf und Indlekofer lässt sich auch daran ablesen, dass der Nutztier-Schützer den Holocaust als "ein vom Staat per Gesetz festgelegtes historisches Ereignis" bezeichnet.