Zum ersten Mal kündigten Schweizer Holocaust-Leugner vergangene Woche eine Veranstaltung öffentlich an.
Am Mittwoch platzierten sie in der Sittener Tageszeitung «Le Nouvelliste» ein Inserat, in dem sie zum «Vortrag mit Diskussion» am Freitagabend einluden. Thema des Abends: «Ist der Bergier-Bericht wissenschaftlich haltbar?» Als Organisator zeichnete der einschlägig bekannte Verein Vérité et Justice verantwortlich. Er hatte in den letzten Monaten verschiedentlich geschlossene Versammlungen in Genf und Zürich organisiert.
Jürgen Graf und Gaston-Armand Amaudruz unter den Teilnehmern
Trotz Ankündigung liess die Polizei die Holocaust-Leugner, die mit der Verbreitung ihrer Theorie gegen das Anti-Rassismus-Gesetz verstossen, unbehelligt. Markus Rieder von der Walliser Kantonspolizei rechfertigt sich, man habe nichts gewusst von der Veranstaltung. Es seien am Freitagabend auch keine Meldungen eingegangen. Das polizeiliche Nichtwissen überrascht: Immerhin hatte die welsche Tageszeitung «Le Temps» am Freitag über den geplanten «Walliser Abend der Holocaust-Leugner» berichtet.
So lauschten gegen fünfzig Personen, darunter rund ein Dutzend Skinheads, am Freitagabend in Sitten unbehelligt den Vorträgen zum Bergier-Bericht. Prominente Teilnehmende waren der umtriebige Jürgen Graf und der Lausanner Altfaschist Gaston-Armand Amaudruz. Grafs Vortrag zum Bergier-Bericht habe gemäss der Tageszeitung «Le Matin» den Titel «Anatomie einer Fälschung» getragen.
An der Kasse lag gemäss Recherchen der SonntagsZeitung auch die neuste Publikation des Holocaust-Leugner-Vereins auf, die sich mit dem Bergier-Bericht und mit der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg befasst. Darin publizieren neben Graf und Berclaz weitere bekannte Schweizer Antisemiten ihre Theorien, etwa der einstige Anthroposophie-Lehrer Bernhard Schaub.
Das Urteil gegen René-Louis Berclaz wurde vom Bundesgericht bestätigt
Der organisierende Verein Justice et Vérité wurde im Januar 1999 offiziell gegründet. Präsident ist der 47-jährige Basler Jürgen Graf, der wegen Leugnung des Holocaust bereits zweitinstanzlich zu 15 Monaten Gefängnis unbedingt verurteilt ist. Als Sekretär amtet René-Louis Berclaz aus Châtel-Saint-Denis (FR). Das Bundesgericht bestätigt dessen Verurteilung zu vier Monaten Gefängnis bedingt wegen Holocaust-Leugnung, wie am Freitag bekannt wurde.