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Zürich14. April 2016

Wer hat noch nicht? Wer will noch 'mal, auf dem Islam herumhacken? Oder auf den MuslimInnen? Heute betätigt sich Tagesanzeiger-Religionsredaktor Michael Meier als Megafon für islamophobe Vorstellungen. Er veröffentlicht ein Porträt des syrisch-orthodoxen Bischofs in der Schweiz, Dionysos Isa Gürbüz. Der gute Christ verkündet generelles Misstrauen: Die 1300 Jahre lange Geschichte der Verfolgung habe ihn gelehrt, Muslimen nicht zu trauen. Weiter heisst es im Text: "Was heute Tausende von Terrorgruppen von IS, Taliban oder ­al-Qaida anrichten, ist die Verlängerung des Genozids von 1915.» Damals sind fast zwei Millionen Christen – Aramäer, Syrisch- und Griechisch-Orthodoxe – umgekommen, Millionen konvertierten zum Islam. Der Bischof geht noch weiter: «Was uns heute widerfährt, hat vor 1300 Jahren begonnen.» Im 7. Jahrhundert habe der Genozid an den Christen angefangen, damals im Dunkeln, heute im Scheinwerferlicht der Medien. Die Agenda des Islam ist für ihn die immer gleiche geblieben, nämlich die Christen aus dem Mittleren Osten zu vertreiben." Und auch: "Isa Gürbüz sieht bereits Eurabia vor dem inneren Auge: Die ­Anzahl kinderreicher Muslime würde schnell wachsen, die Macht übernehmen und mit der Verfolgung anfangen, glaubt er. 'Was heute im Nahen Osten ­geschieht, wird auch hier in Europa passieren'."
Gürbüz erhält Unterstützung vom christlichkatholischen Bischof der Schweiz, Harald Rein. Der erklärt: Er würde Gürbüz nicht als "islamophob" einstufen. Kann er ja glauben, doch der Begriff "Eurabia" weist in eine andere Richtung. Er wurde von der islamophoben Oriana Fallaci (mehr oder weniger) populär gemacht. Stammt aber von Bat Ye'or, einer Ägypterin jüdischen Glaubens, die 1956 das Land verliess, und seit über fünzig Jahren in der Schweiz lebt. In ihren Büchern deutet sie die Geschichte des Nahen Osten als Kampf zwischen Religionen - und folglich kämpft der Staat Israel nicht gegen die Palästinenser, sondern gegen den an sich aggressiven Islam. Gürbüz seinerseits geschichtsklittert islamophob den Armenien-Genozid von 1915, der bekanntlich von türkischen Nationalisten begangen wurde. Nur so nebenbei: Auf Bat Ye'or stützte sich der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik in seinem Manifest. Und auch die islamophobe Pastorin Christine Dietrich, einst tätig für den islamophoben Blog "Politcally Incorrect".
Fazit: Ein bisschen Einbettungsarbeit dürfte man von einem Tagi-Schreiber erwarten können, selbst wenn es nur der "Religionsexperte" ist.

P.S. Der Bischof verbreitet auch noch das Schreckgespenst, dass es in 20/30 Jahren in Europa eine muslimische Mehrheit geben werde. Und "die Hälfte der europäischen Frauen" werde dann "einen Hijab tragen". Der syrische 'Gottesmann' übersieht ganz einfach, dass sich immer mehr Menschen von den Kirchen, aber auch den Religionen, emanzipieren. Ist ja auch langsam Zeit!