Der "Tages-Anzeiger" veröffentlicht ein Interview mit Melinda Nadj Abonji, Verfasserin des erfolgreichen Romans "Tauben fliegen auf", in der sie das Leben einer ungarischsprechenden serbischen Familie darstellt, die in die Schweiz gezogen ist.
Frage: "Das Buch endet in den Neunzigerjahren, mit den Auflösungskriegen in Jugoslawien. Ist die Schweiz seither toleranter geworden, offener gegenüber Einwanderern?"
Abonji: "Es ist schwer, bei diesem Thema zu verallgemeinern. Es ist ein schichtenspezifisches Problem. Ich bin als Autorin in einer privilegierten Position – obwohl auch ich auf der Strasse beleidigt wurde und Drohbriefe erhalten habe, und das ist noch nicht so lange her. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie und kenne auch in der Schweiz viele Menschen aus dem Milieu. Dort ist die Stimmung gegenüber Ausländern nicht entspannter geworden. Wo Angst herrscht, findet man schnell Sündenböcke. Nein, die Schweiz ist nicht toleranter geworden. Aber es gibt zum Glück auch Gegenkräfte."