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Unterwasser SG23. Oktober 2016

In der Halle grölten Naziskin-Bands, doch die St. Galler Kantonspolizei hatte kein Gehör für die Liedtexte. Nun belegt ein Videoclip das Absingen von Bedrohungsbotschaften.
Gegen sechstausend Rechtsextremisten beklatschten am Samstag vor einer Woche mehrere Neonazi-Bands und einen nationalsozialistisch gesinnten Rapper in der Tennishalle in Unterwasser/Toggenburg. Naheliegend die Annahme, dass es zu Widerhandlungen gegen die Rassismus-Strafnorm oder zu Aufrufen zu Gewalt gekommen sein könnte. Nachvollziehbar, dass die Konzertorganisatoren die Besucher aufgefordert hatten, weder Natel noch andere Aufzeichnungsgeräte in den Saal zu nehmen. So wie es an Naziskin-Veranstaltungen üblich ist. Diesmal vergebens. Heute veröffentlicht der „Sonntagsblick“ ein Kurzvideo. Dieses belegt, dass eine Band, mutmasslich die bekannte Gruppe „Frontalkraft“, den Zuhörern in die Ohren grölte: „Keine Angst ihr Volksverräter, keinen werden wir verschonen. (…) Weiss die Männer, die für Deutschland siegen. Rot ist das Blut auf dem Asphalt.“
Nun haben die St. Galler Strafverfolgungsbehörden ein erstes Beweismittel, nachdem sich die überraschte Kantonpolizei am Veranstaltungstag damit begnügte hatte, Präsenz vor Ort zu zeigen. Das Ringier-Sonntagsblatt befragte auch die Aargauer Nationalrätin Corina Eichenberger (FDP), Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission. Ihr fiel aber auch nicht mehr ein, als dass die Behörden zur Durchsetzung des geltenden Rechtes Beweise sichern müssten. Und sie liess sich die Gelegenheit nicht entgehen, um eine Diskussion „über eine Erhöhung der Strafmasse“ anzufordern. So wie andere es in den vergangenen Jahren nach grossen Neonazi-Aufmärschen auch schon taten. Schon Anfang Woche hat die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus GRA eine Anzeige eingereicht.