Zwei Buben verweigern einer Lehrerin den Handschlag. Fast alle Schweizer Medien sehen das Abendland in Gefahr, zumindest aber bedroht. Ein junger schwedischer Grüner muslimischen Glaubens verweigert einer Journalistin den Händedruck, Blick und Newsnet/Tagesanzeiger berichten ausführlich. Unerwähnt lassen die Schweizer Medien eine dritte Handschlag-Geschichte, verursacht am 31. März 2016 von Yaakov Litzman, israelischer Minister für Gesundheit und Vorsitzender der Agudat-Jisra’el-Partei innerhalb der Fraktion des Vereinigten Thora-Judentums in der Knesset. Der 67jährige in Deutschland geborene Minister verweigerte seiner französischen Amtskollegin Marisol Touraine den Handschlag, da körperlicher Kontakt zwischen Mann und Frau für die Ehe vorbehalten sei. Die sozialistische Politikerin war von den Hütern des diplomatischen Protokolls vorgewarnt worden und liess den Affront des jüdischen Fundamentalisten unbeachtet. Erst rund zwei Wochen später machte die französische Zeitung „L’Express“ den Vorfall publik. Gemäss mehreren Medienberichten hatte Minister Litzmann bereits vor rund vier Jahren der damaligen belgischen Amtskollegin Laurette Onkelinx die Hand verweigert. Diese hatte damals via Facebook ihr Missfallen über die Diskriminierung publik gemacht, die französische Ministerin hat sich bis heute nicht dazu vernehmen lassen. Aber die Litzmann-Geschichte bleibt unerwähnt, sie passt nicht in die muslimfeindliche Grundstimmung, die viele Redaktionen bereitwillig bedienen. Nur: Wer ist denn einflussreicher? Ein Minister? Oder doch zwei Buben, deren Vater Imam ist? Oder vielleicht gar der junge Student, der sich nach öffentlichen Vorwürfen aus der Politik zurückzieht? Und wie ist denn das mit den christlichen FundamentlistInnen in der Schweiz? Warum lese ich so wenig über diese Leute? Die ja auch immer wieder durch Muslimfeindschaft oder gar Islamophobie auffallen. Selbst bei eidgenössischen Wahlen.