Oscar Freysinger reist gerne ein bisschen in der Weltgeschichte herum, um dort sein historisches Halbwissen vorzuführen. Einmal will er nur über die deutschnationale Vergangenheit der Reichskriegsflagge gewusst haben, nicht hingegen von deren rechtsextremistischen Bezügen. In diesen Tagen, eingeladen zu den Feiern zum 71. Jahrestag des sowjetischen Sieges über Nazideutschland, präsentiert er sich in einem Interview im russischen Fernsehen mit dem Sankt-Georgs-Band. Er will nur dessen Bedeutung als soldatische Tapferkeitsauszeichnung des 2. Weltkriegs gekannt haben, nicht jedoch von der aktuellen Verwendung als Unterstützung der russischen Besatzungs- und Anschlusspolitik in der Ukraine und auf der Krim.
Freysingers Einverständnis mit der aktuellen russischen Staatsführung geht weit darüber hinaus. In einem Interview mit dem russischen, jedoch französischsprachigen Sender „Sputnik“, behauptet der EU-Gegner Freysinger, was man Putin vorwerfe, schaffe man in Europa selber. Im Westen sei eine „Art von sanfter UdSSR“ am Entstehen: „Ohne Gulag“, aber „identisch im Geist“. Die Bürgerrechte seien „gefährdet“, besonders die Redefreiheit. Wer im Westen „gewisse Sachen“ sage, werde von den Medien „zerstört“. Während im Westen „ein milder Totalitarismus“ entstehe, sei Russland ein „diskretes Reich der Freiheit“ und dies weil sich das Land wieder seine „Spiritualität“ entdeckt habe. Denn, so Freysinger, wer sich nicht auf seine Werte zurückbesinne, werde untergehen. Fazit des traditionalistischen Kulturpessimisten: Europa sei "zum Scheitern verurteilt.“ Kein Grund zu Aufregung: Das haben schon viele behauptet.