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Roggwil BE1. Mai 2005

Gemäss örtlichen Brauch stellen Stellburschen in der Nacht einen Maibaum auf, an dem sie Schilder mit den Namen jener jungen Frauen des Dorfes befestigen, die im vergangenen Jahr volljährig geworden sind. Dieses Jahr schreiben die anonym agierenden Burschen ausschliesslich die Namen von Frauen, die bereits mit Schweizer Staatsbürgerschaft auf die Welt kamen. Darüber befestigen sie eine grosse Schweizer Fahne. Noch gleichentags hängen junge Schweizerinnen auch die Tafeln mit der Namen der fünf Ausländerinnen oder eingebürgerten Schweizerinnen, die zuvor gefehlt hatten. Kurz darauf entfernen Stellburschen diese Tafel wieder. Die Tageszeitung «Der Bund» schreibt: «Seither steht das ethnisch gesäuberte Maibäumchen in Roggwil auf dem Platz vor der Kirche, in vermeintlich Rassenreinen zur Freude, anderen Leuten zum Ärger». Eine klägliche Rolle spielt der Gemeindepräsident Erhard Grütter (FDP), der gegenüber Medienschaffenden erklärt, er möchte nicht, dass die Tanne zum Thema wird. Dies würde von der Gemeinde ein falsches Bild vermitteln. Die Maitanne bleibt längere Zeit stehen.