Nahe der polnischen Grenze gedachten Neonazis des Geburtstages Hitlers. Auch Schweizer Rechtsextremisten nahmen die weite Fahrt auf sich. "Amok"-Sänger Kevin Gutmann liess sich nicht blicken.
In der Kleinstadt Ostritz, nahe der polnischen Grenze, trafen sich gemäss Polizeiangaben rund 1100 Rechtsextremisten aus verschiedenen Ländern zum „Schild und Schwert“-Festival. Organisiert vom langjährigen Aktivisten Thorsten Heise, heute führender Funktionär der NPD Thüringen. Angekündigt war auch die Schweizer Band "Amok", deren Sänger Kevin Gutmann auch noch als Balladensänger einen Soloauftritt hätte hinlegen sollen. Dazu kam es nicht. „Juristische Probleme“, so erklärte Heise drei Tage vor Festivalbeginn, würden Gutmanns Kommen verunmöglichen. In der Tat: Mitte März verurteilte das Bezirksgericht Zürich den 30-jährigen Nazi-Skin zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Gutmann war Teil jener Rechtsextremistengruppe, die Anfang Juli 2015 in Zürich-Wiedikon einen orthodoxen Juden beschimpft und attackiert hatten.
Dennoch nahmen mehrere Schweizer Rechtsextremisten am Festival teil. Dies belegen Fotos, die antifaschistische Aktivisten später ins Netz stellten. Erkennbar sind mehrere Männer der Schwyzer Bruderschaft „Brigade 8“, einer rechtsextremen Rockergruppe, die vor allem in Norddeutschland aktiv ist. Bereits im vergangenen Jahr waren Angehörige dieser Schwyzer Gruppe, wie die Antifa Bern berichtet, zu einem rechtsextremen Konzert in Thüringen gefahren. Ebenfalls in Ostritz anwesend, war der Oberwalliser Silvan Gex-Collet, im September 2005 Mitorganisator des gutbesuchten „Blood and Honour“-Konzertes in Brig, heute Betreiber eines Tattoo-Shops. Neben zwei weiteren wenig bekannten Schweizer Neonazis zog es auch Roman Portner nach Ostritz, gekleidet im Shirt „Kampf der Nibelungen“. Er erinnerte damit an seinen vorjährigen Auftritt an diesem Szenetreffen rechtsextremer Kampfsportler.