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Luzern1. Februar 2011

Die Gratiszeitung "20 Minuten" berichtet über die Semesterarbeit eines Architekturstudenten, der ein Haus mit dem Grundriss eines Hakenkreuzes entworfen hatte. Ein Redaktor befrägt - ausser einem Vertreter der Hochschule - zwei Exponenten der jüdischen Gemeinschaft. Die beiden Befragten erachten den Entwurf als "unsensibel". Die Gratiszeitung titelt daraufhin "Hakenkreuz-Haus verärgert Juden". Im Forum erscheinen daraufhin rund hundert Einträge, die meisten eindeutig antisemitisch oder zumindest mit antisemitischem Unterton. Häufig der Verweis, «Juden» sollten «die Vergangenheit» endlich ruhen lassen und es sei ja bekannt, dass das Hakenkreuz in einigen asiatischen Kulturen ein Zeichen für Glück sei. Viele ziehen Vergleiche mit den Auseinandersetzungen in Palästina und dem Nahen Osten, als ob Schweizer Juden auch für die israelische Politik verantwortlich wären. Ein «Sven L.» beispielsweise schafft es, gleich mehrere Themen in einem Erguss unterzubringen: «Die Juden sollen endlich auch mal Toleranz zeigen! Ist ihr ruepelhafte Benehmen in der arabischen Welt, in die sie nicht hingehoeren, die Rache dafuer, dass sie frueher mal etwas unten durch mussten? Der Holocaust Bonus ist laengst abgelaufen!» (Orthografie gemäss Orginial). Die "20 Minuten"-Redaktion sieht aber keinen Grund für Selbstkritik, im Gegenteil: Am folgenden Tag lobt sie sich und titelt: "Unterstützung für Hakenkreuz-Haus", für den "Unmut" von Schweizer Juden hätten "viele Leser kein Verständnis".

Journalismus ohne Verantwortung