Bereits morgen um halb neun steht Mariette Paschoud, Mitherausgeberin des Waadtländer Rechtsaussenblattes "Le pamphlet", vor einem Gefängnistor in Paris. Zusammen mit Gesinnungskameraden aus Frankreich, Belgien und Deutschland begrüsst sie den französischen Rechtsextremisten Vincent Reynouard in der Freiheit. Reynouard hat eine einjährige Strafe wegen Leugnung des Holocausts verbüssen müssen, ist aber nach rund 8 Monaten vorzeitig entlassen worden Paschouds Reise nach Paris öffentlich macht Reynouard's Unterstützungskomitees, erreichbar über eine Postfachadresse in Montreux. Selber publik machte Paschoud einen früheren Ausflug in die französische Hauptstadt. Vor rund 25 Jahren beehrte sie die Medien-Präsentation der Dissertation eines älteren Herrn namens Henri Roques. Sie schrieb anschliessend von einem "bemerkenswerten Beitrag zu Wahrheitsfindung". In Tat und Wahrheit leugnete Roques den planmässigen Massenmord an den europäischen Juden. Es war Paschouds erster öffentlicher Auftritt als Holocaust-Leugnerin. Das Ergebnis war folgerichtig: Roques verlor seinen Doktortitel, Paschoud ihre Stelle als Gymnasiallehrerin. Sie wurde aber weiterhin in der kantonalen Verwaltung beschäftigt. Bei ihrer Pensionierung vor drei Jahren hatte die "braune Mariette" angekündigt, sie müsse ja nun nicht mehr den Verlust der Arbeitsstelle fürchten und sie werde sich nun mehr für "Revisionisten" einsetzen. So wie nun wieder in Paris.