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Kanton St. Gallen14. März 2015

An einem Vortragsabend der Europäischen Aktion EA Liechtenstein bezeichnete ein "junger Aktivist" aus Liechtenstein den Holocaust als "grösste Jahrhundertlüge". Gemäss der Liechtensteiner Polizei fand die Veranstaltung im Kanton St. Gallen statt.

"Zahlreich" sollen sie gewesen, die Gäste der Europäischen Aktion EA Liechtenstein. Eine Zahl nennt die EA nicht. Die Anwesenden seien aus Liechtenstein, der Schweiz, Österreich sowie der Bundesrepublik gekommen, daneben auch "junge Aktivisten aus dem Tiroler Süden". Im Klartext: Rechtsextremisten, die für die Loslösung des Südtirols von Italien eintreten. Unter den Zuhörern weiter Mitglieder der rechtsextremen Partei national orientierter Schweizer PNOS, Sektion Zentralschweiz. Sie "bedankte" sich bereits am Tag danach für den "gelungenen Anlass" und wiederholte die "gemeinsam gerufenen Parole ‚Südtirol bleibt Deutsch'".
Nicht öffentlich nennen mögen die Veranstalter den Versammlungsort. Ein Foto belegt, dass er in einem Saal stattfand, in dem ein Verein Lorbeerkränze hängen lässt.
In einem später veröffentlichten Tonaufnahme erwähnt der Hauptredner EA-Exponent Rigolf Hennig, dass die Veranstaltung in einem Schützenhaus stattfindet. Hennig lobt sich seiner Unterstützung der Südtiroler Bombenattentate der 1960er-Jahre. Er sei allerdings freigesprochen worden.
Politisch und juristisch brisanter ist die Rede eines jungen Liechtensteiners. Er lobt neonazistisch die Freiwilligen in der Waffen-SS, die "in wundervoller Weise an der Seite der deutschen Streitkräfte" für die Zukunft Europas gekämpft hätten. Er spricht - antisemitisch - von "Hintergrundkräften, auch als Zionisten bekannt". (Hier ein Codewort für "Juden".) Sie würden "die amerikanische Politik und folglich die der gesamten Welt für ihre Macht- und Profitinteressen zu missbrauchen - oder mit anderen Worten - die Herrschaft der Geldmächte über die freien Menschen dieser Erde". Er bezeichnete die EU als "zionistischen Vasallen" der USA. Er forderte die Wiederherstellung des "Deutschen Reiches", gestützt auf Nazigesetze. Denn: Die EA erachtet die Bundesrepublik als illegitimen Staat. Mit der "Freiheit Deutschlands" einher gehe, so der junge Liechtensteiner weiter, auch die "Richtigstellung der grössten Jahrhundertlüge". Sie diene "einzig und allein" dazu, "den Seelenmord am deutschen Volke zu vollenden". Und fügte er an: "Ihr alle wisst, auf was ich anspiele." Die EA-Gäste werden bereits vorher verstanden haben: die Nazis sollen den Holocaust nicht begangen haben. Damit werden sich auch die Strafverfolgungsbehörden mit dieser rechtsextremen Veranstaltung beschäftigen müssen. Sowohl in der Schweiz wie in Liechtenstein ist Holocaust-Leugnung strafbar.