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Essen/Deutschland31. Oktober 2015

Oskar Freysinger hält sich für den "idealen" Kandidaten, auch für den Bundesrat. Zwar dürfen in diesen Tagen fast alle SVP-Bundesparlamentarier als Kandidaten einen Kurzauftritt hinlegen, mindestens bis zur nächsten Ausgabe einer Tageszeitung. Nur wenige erhalten aber die Medienbeachtung, die der Walliser Staatsrat erhält. Doch über Freysingers Rede vor den Rechtsaussen der Alternative für Deutschland AfD berichten sie nicht. Sein Auftritt - dies belegt der Videoclip der vollständigen Rede - bestätigt deutsche Ewiggestrige. Er erhält Szenenapplaus für die Aussage "Jeder Mensch hat das Recht, auf die Identität stolz zu sein. Auch die Deutschen". Und die EU sei, so der SVP-Ideologe, "nur auf dem im Zweiten Weltkrieg ererbten Komplex der Deutschen aufgebaut". Auch den Muslimfeinden redete Freysinger nach dem Mund. Er beklagte einen "radikalen Werterelativismus", der von "gewissen Einwanderern" missbraucht werde. Er malte die Gefahr einer "Spaltung der Gesellschaft" an die Wand und forderte dann die stolze Verteidigung der "abendländischen Werte": Nicht länger geduldet werden dürften neben "religiöser Intoleranz das Tragen von Kopftüchern in der Schule, die Gesichtsverschleierung im öffentlichen Raum" und auch "das Schächten von Tieren". Es ist das zweite Mal innert Monaten, dass ein Walliser SVP-Vertreter auf Muslime zielt, jedoch auch die jüdische Gemeinschaft trifft. Der frisch gewählte SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor verteidigte im Februar die Initiative für "unbedeckte Köpfe in der Schule", die auch das Kippatragen verbieten würde, mit dem lapidaren Hinweis, im Wallis seien die Juden ja "sehr diskret". Will heissen: religiöse Minderheiten sollen unsichtbar bleiben.