Lebenslänglich für den Haupttäter Marcel M. (25), je sechzehn Jahre Zuchthaus für seine beiden fast gleichaltrigen Mittäter vom "Orden der arischen Ritter" verhängte das Kreisgericht Interlaken-Oberhasli als Strafe für die Ermordung ihres "Kameraden" Marcel von Allmen. (Der vierte Tatbeteiligte ist von einem Jugendgericht bereits vor zwei Jahren zu einer längeren Einschliessstrafe veruteilt worden. Mit seinem konsequenten Urteil folgte das Gericht damit weitgehend den Anträgen des Staatsanwaltes, der lebenslänglich und zweimal achtzehn Jahre verlangt hatte. In der Urteilsbegründung bezeichnete der Gerichtspräsident die Tat als "minutiös geplante Exekution".
Unterseen BE, 27. Januar 2001
Der 19jährige Sanitär-Installateur-Lehrling Marcel von Allmen, der sich seit Monaten in der regionalen Neonazi-Szene bewegt, verlässt nach zehn Uhr abends seine Freundin mit der Ankündigung, er werde bald wieder zurück sein. Zweieinhalb Wochen später finden Polizisten seine Leiche im Thunersee in über fünfzig Meter Tiefe, den Kopf zerschlagen, den Körper mit Gewichten beschwert. Kurz darauf verhaftet die Kantonspolizei vier junge Männer aus der Region, alle im Alter zwischen 17 und 22 Jahren. Die Verhafteten gestehen bald. Sie sind alle Mitglieder einer bis anhin unbekannten Neonazi-Gruppe, die sich “Orden der arischen Ritter” nennt und bestimmte AusländerInnen aus der Gegend vertreiben will. Die Gruppe hatte Propagandamaterialien von “Blood and Honour” sowie von der NSDAP/AO bezogen. Sie hätten, so die Täter, ihren “Kameraden” in eine Falle gelockt, misshandelt und umgebracht, weil er sich nicht an das vereinbarte Schweigegelübde gehalten habe. Während den Untersuchungen kommt an den Tag, dass die Verhafteten auch noch die Ermordung eines kosovarischen Jugendlichen und eines missliebigen Sympathisanten versucht hatten. Der vierte Tatbeteiligte, der zum Zeitpunkt der Tat noch nicht 18jährig war, wird im Sommer 2002 von einem Jugendgericht wegen Mord zu einer Erziehungsstrafe verurteilt.