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Bern6. Juni 2016

In der Fragestunde will die Aargauer SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger von der Landesregierung wissen, wo denn die "Schweizer Grundwerte bei der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels" geblieben seien: "Die Einweihung des Gotthard-Basistunnels im Herzen unserer Heimat sollte grundsätzlich mit unseren schweizerischen Grundwerten gewürdigt werden. Tanzende Derwische haben damit gar nichts zu tun. Mit tanzenden Derwischen, welche gemäss der Enzyklopädie des Islams eine Form der Annäherung an Allah bedeuten, werden unsere Grundwerte jedoch verraten. Teilt der Bundesrat diese Sorgen aus der Bevölkerung?" Die Anfrage stützt sich, so stellt es der Bundesrat sich zumindest vor, auf einem Grundlagenirrtum: "Die künstlerische Inszenierung mit dem Leitbild "Mythos Gotthard" bedient sich ausschliesslich an Figuren und Sagen, die der Alpenkultur entstammen. Bei den angesprochenen Figuren handelte es sich nicht um Derwische, sondern um tanzende Heuhaufen." Und die Lehre von der Geschichte: Überprüfen von Vorurteilen schützt vor politischem Reputationsverlust. Die NZZ will es löblicherweise für einmal ganz genau wissen und fragt nach, wie denn Flückiger dem Derwisch auf die Spur gekommen sei? So genau weiss es diese allerdings selber nicht, denn sie war bei der Eröffnungsfeier gar nicht anwesend. Der Regisseur Volker Hesse kann "nur den Kopf schütteln", wie er dem St. Galler Tagblatt erklärt: "Die Reaktion der Aargauer Politikerin ist armseliges Herumkeifen." Und weiter: Es sei "völlig legitim, wenn meine Show arabische kulturelle Assoziationen enthält. Ich bin der festen Überzeugung, dass archaische Kulte sich in verschiedenen Kulturen berühren. Ich wollte im Spektakel das Ausser-sich-Sein beschreiben – dazu dienen die Drehungen der Derwische und der Heuhaufenfiguren. Diese Tänze, die nun als fremde arabische Einflüsse dargestellt werden, sind elementar menschliche Ekstaseformen: Jedes Kind weiss, dass man in einen anderen Zustand gerät, wenn man sich lange um sich selbst dreht."