Testosteron für Europa
Im Frühling stossen die Säfte in die Glieder, bei einigen auch in den Kopf. Zum Beispiel bei Florian Signer, Vorsitzender der PNOS-Sektion Appenzell und – nach eigenem Bekunden – „Geostratege“. Er wolle, schreibt er auf der Homepage der Partei National Orientierter Schweizer PNOS, „Informationen herauskristallisieren“, für sich „und die Patrioten Europas“. Und er ist fündig geworden. Wenn man „die aktuelle Flüchtlingspolitik und die Demographie Europas“ anschaue, sei es offensichtlich: Aus „dem arabisch-islamischen sowie dem afrikanischen Kulturkreis“ kämen viele junge Männer, „die nur so von Testosteron strotzen“ würden. Und dann flutscht dem „Geostrategen“ durch die Gehirnwindungen: Da das Sexualhormon „auf Frauen instinktiv anziehend“ wirke, sei es „für europäische Männer wichtig“, ihre Testosteron-Produktion zu fördern, „damit sie attraktiv bleiben und die Frauen nicht aus subtilen sexuellen Gründen zu den Migranten abwandern“ würden. Und Signer ist ein Mann der Tat und weiss bald - gestützt auf einen Hinweis einer Heilpraktikerin - Rat gegen den Untergang des Kontinents: Bockhornklee, Erd-Burzeldorn, Nüsse und Haferflocken („soll ein wahres Wundermittel sein“) würden die Testosteronausschüttung fördern und damit „Europa neue Energie verleihen“. Oder alltagsnäher ausgedrückt: Auch Birchermüesli rettet das Abendland.